Durch den Grunewald zur ehemaligen Sprungschanze

Der Teufelssee, der Teufelsberg und der Drachenberg ist das Ziel einer kleinen Rundwanderung durch den Grunewald, der am S-Bahnhof Pichelsberg beginnt und am Bahnhof Heerstraße endet.

Wir nehmen an der S-Bahn die Treppen zum vorderen Ausgang und folgen rechts der Schirwindter Allee bis zur Heerstraße. Vorbei an den „Tiroler Stuben“ wandern wir auf der Straße „Am Postfenn“ bis zur Stallupöner Allee. Nun biegen wir links in den Wald ein und folgen dem Weg zirka 500 Meter, halten uns rechts, um auf die Alte Spandauer Poststraße zu kommen, in die wir links einbiegen. Nach weiteren 1000 Metern folgen wir ein links dem Schildhornweg, um dann gleich links ein paar Meter weiter am Teufelssee zu stehen.

Der Teufelssee ist ein großer abflussloser Teich aus eiszeitlichem Ursprung, mit einer maximalen Tiefe von sechs Metern und gehört zum Ortsteil Grunewald des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Man sollte ihn also nicht verwechseln mit dem gleichnamigen See im Berliner Ortsteil Köpenick. Der Name des Sees leitet sich vermutlich von einem vorchristlichen Kultort an dieser Stelle ab. Das West- und Nordufer gehört schon zum großen Naturschutzgebiet (NSG) Teufelsfenn. Am Südufer ist eine Badestelle eingerichtet. Am Ostufer befindet sich das 1872/1873 erbaute Wasserwerk Teufelssee, das älteste noch erhaltene Wasserwerk Berlins. Es wurde 1969 stillgelegt. Heute gehört es zum Naturschutzzentrum Ökowerk Teufelssee.

 

Vorbei an See und Wasserwerk kommen wir auf die Teufelsseechaussee und nehmen hinter den Parkplätzen den linken Weg zum „Aufstieg“ auf den Teufelsberg. Der Grunewald zählt zu den größten Waldgebieten Berlins und ist ein ganzjähriges beliebtes Ausflugziel. Nach dem Fall der Mauer ist auch der Teufelsberg wieder Anziehungspunkt für Wanderer und Spaziergänger, die die 120 Höhenmeter „erklimmen“, um von oben einen Blick über Berlin genießen zu können. Der „Berg“ ist aus Trümmerschutt entstanden, der durch die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg anfiel. Heute ist das gesamte Gebiet Teil des Grunewalds. Während des Kalten Krieges errichteten die US-Streitkräfte auf dem Gipfel eine Überwachungs- und Abhörstation, die nach der Wende hinfällig wurde. Seitdem verfiel die markante Anlage zur Ruine und kann heute nur zum Teil genutzt werden. Eine Besichtigung oder Führung ist nur nach Absprache möglich.

Dafür hat man einen fast ungetrübten Blick über Berlin vom 99 Meter hohen Drachenberg, der nur ein paar Meter nordöstlich weiter unterhalb der Abhörstation ein breites Plateau für Freizeitsportler bietet, die hier ihre Modellflugzeuge kreisen lassen. Im Sommer legen Sonnenanbeter ihre Picknickdecken aus, um den Blick über den Grunewald, die Havel und den Fernsehturm schweifen zu lassen und anschließend romantisch den Sonnenuntergang zu erleben. In den Geschichtsbüchern kann man allerdings noch eine ganz andere Besonderheit des Teufels- und Drachenberges nachlesen. Hier stand die von dem international bekannten Sprungschanzenbauer Heini Klopfer in ihrem Profil entworfene und errichtete Berliner Skisprungschanze. Im Februar 1955 fand das erste Springen auf der 24 Meter-Schanze statt und am 4. März 1962 wurde die große Schanze vor 5.000 Zuschauern eingeweiht. Selbst Olympiasieger Georg Thoma ist auf dieser Schanze, die einen Mattenbelag besaß und 1964 erweitert wurde, gesprungen. 1969 fand die letzte große Veranstaltung am Teufelsberg statt, auf dem auch die Alpinskifahrer Berlins zuhause waren und Lift, Beschneiungs- und Flutlichtanlage besaßen. Den Schanzenrekord von 47,5 Metern hält der Deutsche Wolfgang Müller. Die erste Berliner Sprungschanze stand übrigens von 1924 bis 1931 in Zehlendorf und wurde „Schanze an Onkel Toms Hütte“ genannt. Der weiteste Sprung lag bei 14 Meter und wurde 1930 gesprungen.

Die Infrastruktur am Teufelsberg wurde wegen mangelnder Unterhaltung zunehmend schlechter, sodass die Anlage 1999 ersatzlos abgerissen wurde. Versteckt in hohen Büschen und unter Bäumen sind Teile der Sprunganlage heute noch erkennbar. Auch der Treppenauf- und -Abgang vom Drachenberg ist zum Teil beschwerlich, weil sich offenbar niemand um die Erhaltung zuständig fühlt. Am Parkplatz angekommen, gehen wir auf einem neben der Teufelsseechaussee verlaufenden Waldweg zurück und erreichen nach etwas mehr als einem Kilometer den S-Bahnhof Heerstraße. Die gesamte Wanderstrecke beträgt ungefähr 8 Kilometer und ist bequem in zweieinhalb bis drei Stunden zu bewältigen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Fotos von oben nach unten: Teufelssee, Am Teufelssee, Teufelsberg, Abhörstation Teufelsberg, Blick vom Drachenberg

Nach oben