Mit dem historischen Bus an die Havelchaussee

Im Sommer ist die Grunewald-Region an der Havel für die Berliner ein beliebtes Ausflugsziel. Im Winter dagegen wird die Havel-Chaussee zwischen Heerstraße und Nikolassee nur wenig befahren und ein Spaziergang kann dort dann auch erholsam sein.

Wir wollen die Gegend ein wenig erkunden und nehmen den historischen Bus der Linie 218, der von der Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin (ATB) unterhalten wird und im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unterwegs ist. Seit April 2000 verkehren die Oldtimer aus den siebziger und achtziger Jahren täglich vom ZOB am Messedamm über Theodor-Heuss-Platz - Heerstraße - Am Postfenn - Havelchaussee - Kronprinzessinnenweg - Bahnhof Wannsee - Königstraße - Pfaueninselchaussee zur Pfaueninsel und zurück. Man sollte sich aber den Fahrplan genau ansehen, denn die alten Gefährte fahren in den Sommermonaten jede Stunde, in den Wintermonaten nur alle zwei Stunden.

Wir steigen am S-Bahnhof Wannsee zu und an der Havelchaussee (Haltestelle Am Postfenn) wieder aus, um hinter der British School Berlin den Waldweg einzuschlagen. Auf der internationalen Schule arbeiten Menschen mit verschiedener Herkunft, was den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bietet, Themen aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven zu erkunden. Ein Stück geht es am Zaun entlang des Schulgeländes, um dann eine Anhöhe zu erklimmen. Oben angekommen halten wir uns rechts und stehen nach zirka einem Kilometer vor einem Friedhof, der hier unter hohen Kiefern ein wenig mystisch wirkt. Die Grabsteine geben nur spärlich Auskunft darüber, wer hier begraben liegt. Es sind „Namenlose“, Menschen die freiwillig aus dem Leben geschieden sind. Der „Selbstmörderfriedhof“ oder „Schandacker“, wie er auch genannt wird, wurde vor über hundert Jahren angelegt, als der Freitod in Preußen noch ein Verbrechen war und ein Begräbnis auf einem kirchlichen Friedhof nicht gestattet wurde. Später wurden hier auch normale Bestattungen vorgenommen, doch bis heute hält sich die Erinnerung an die „Selbstmörder“.

Wir folgen dem Waldweg weiter bis zum Schildhornweg, der uns rechterhand zurück zur Havelchaussee bringt. An der Schildhornbaude nehmen wir links den Weg hinunter zum Parkplatz und wandern am Seehotel Grunewald vorbei zur Halbinsel Schildhorn. Die rund 110 Meter breite Landzunge im Landschaftsschutzgebiet ragt rund 400 Meter in die Havel hinein und bildet eine kleine Bucht, die Jürgenlanke. Schon vor über 100 Jahren war hier das Wirtshaus Schildhorn ein Lieblingsziel der Berliner am Wochenende. An der Spitze des Eilandes ragt auf einer kleinen Anhöhe eine Säule über den Baumspitzen. Das Schildhorndenkmal, nach Bleistiftskizzen von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, 1845 von Friedrich August Stüler entworfen. Das auch „Schildhornkreuz“ oder „Jaczo-Säule“ genannte Denkmal symbolisiert die Schildhornsage aus dem 19. Jahrhundert um den Slawenfürsten Jaczo von Köpenick, der hier 1157 im Gründungsjahr der Mark Brandenburg vor Albrecht dem Bären durch die Havel geflohen sein soll. Aus Dankbarkeit für seine Rettung habe sich Jaczo zum Christentum bekannt und seinen Schild und sein Horn an einen Baum gehängt. Seither heiße die Landzunge Schildhorn.

Zurück in die Gegenwart, müssen wir uns sputen, zurück an die Havelchaussee zu kommen, denn an der Haltestelle Schildhorn wartet schon der historische Bus, der uns aus der Ruhe der Natur in einer gemütlichen Fahrt zum S-Bahnhof Messe/Nord zurück und damit in die Hektik der Großstadt bringt. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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