Schon Napoleon Bonaparte vergnügte sich auf der Friedrichstraße

Sie gehört nicht nur zu den längsten Straßen Berlins, sie ist auch eine beliebte Einkaufsmeile. Die Rede ist von der Friedrichstraße, die als Nord-Süd-Achse an der Torstraße in Mitte beginnt, auf der Weidendammer Brücke die Spree überquert, den Bahnhof Friedrichstraße streift und weiter südlich den Boulevard „Unter den Linden“ durchschneidet. Am ehemaligen alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie wechselt sie in den Bezirk Kreuzberg und endet nach über 3 Kilometern am Mehringplatz.

Die Friedrichstraße wurde nach dem Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg benannt. Dieser regierte von 1688 bis 1701 als Friedrich III. und 1701 bis 1713 als Friedrich I., „König in Preußen“. Zu seiner Zeit gab es rund um die Straße nur Felder, Wiesen und Äcker – bis die kurfürstlichen Grundstücke verkauft wurden und der Bau der Vorstadt Berlins mit regelmäßigen Straßen begann. Bei der Märzrevolution im Jahr 1848 war die Friedrichstraße ein Schauplatz der Geschichte. Mit Barrikadenkämpfen wurde der Abzug der königlichen Militärs erzwungen. Eine Gedenktafel in der Friedrichstraße 180 erinnert heute an die Ereignisse. Mit dem Bau der Eisenbahn von und nach Berlin und der damit verbundenen Errichtung des Bahnhofs Friedrichstraße im Jahr 1882 war die hervorragende Bedeutung dieser Straße für das Leben in Berlin endgültig „besiegelt“.

Zwischen der Weidendammer Brücke und dem Halleschen Tor wurde es besonders lebhaft. Teure Hotels und Restaurants entstanden und das Künstleretablissement richtete sich ein. Um die Wende zum 20. Jahrhundert galt die Friedrichstraße als Handelsplatz für Edelsteine und Gold und war ein Zentrum der Prostitution. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Friedrichstraße mit den Vergnügungspalästen, Theatern und dem Varieté Wintergarten als berühmt-berüchtigte Amüsiermeile Berlins bekannt. Nach der Teilung Berlins durchschnitt die Berliner Mauer auch die Friedrichstraße. Der ehemalige Grenzübergang „Checkpoint Charlie“ und der „Tränenpalast“ neben dem Bahnhof Friedrichstraße erinnern noch heute an die Zeit zwischen 1961 und 1989, als die Mauer Berlin in zwei Hälften teilte.

Mit der Wiedervereinigung ist die Friedrichstraße eine beliebte Shoppingmeile geworden. Heute stehen hier zahlreiche neue Gebäude wie die Friedrichstadtpassagen mit Boutiquen, Büros und Restaurants. Im Quartier 207 befindet sich das Kaufhaus Les Galeries Lafayette und in der angrenzenden Passage Quartier 206 kann man in Boutiquen der Edel-Designer shoppen gehen. Wer ein besonderes Angebot sucht, wird im Kulturkaufhaus Dussmann fündig. Trotz der zahlreichen Einkaufstempel ist die einstige Amüsiermeile auch noch ein Stück erhalten geblieben. Nördlich des Bahnhofs Friedrichstraße zeigen der Friedrichstadt-Palast, der Admiralspalast und das Kabarett „Die Distel“ weiterhin Varietés und spektakuläre Revuen. Ein paar Meter weiter, hinter der Weidendammer Brücke steht das Berliner Ensemble – eins der bekanntesten Theater Deutschlands und die einstige Bühne von Bertolt Brecht. Nicht nur Bertolt Brecht war auf der Friedrichstraße „zu Hause“, auch Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt, der eine Wohnung im Haus Nr. 139 gemietet hatte oder Adalbert von Chamisso, der hier lange Jahre bis zu seinem Tode 1838 wohnte (Haus Nr. 235). Max Reinhardt, als Schauspieler nach Berlin gekommen, wohnte im Haus Nr. 134. Die Schriftstellerin Christa Wolf lebte 1976 bis 1988 im Haus Nr. 133. Und dann wird noch die Geschichte von Napoleon Bonaparte beschrieben, der 1806 mit drei Begleitern in dem Haus Nummer 63 bei Madam Bernhard eine „vergnügte Nacht“ verbracht haben soll. Text und Fotos : Klaus Tolkmitt

Fotos von oben nach unten:

Bahnhof Friedrichstraße, der Friedrichstadtpalast, das Berliner Ensemble und am Checkpoint Charlie.

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