Der Bundesrat tagt im historischen Herrenhaus

Rund 60.000 Besucher kommen jedes Jahr in das Berliner Bundesratsgebäude in der Leipziger Straße in Berlin Mitte, um sich über die Arbeit des Verfassungsorgans der Bundesrepublik Deutschland zu informieren oder sich die eindrucksvolle Gebäudearchitektur erklären zu lassen.

Nach der Wiedervereinigung wurde Berlin nicht nur Hauptstadt und Sitz des Bundestages, auch der Bundesrat wurde im Jahr 2000 von Bonn nach Berlin verlegt. Als geeigneten repräsentativen Bau entschied man sich für das ehemalige Herrenhaus von König Friedrich Wilhem I. im barocken Stadtpalais, das 1740 fertiggestellt wurde.

Das Haus erlebte später eine wechselvolle Geschichte. Ab 1750 gehörte es dem Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky, der hier eine Seiden-Manufaktur und später eine Porzellan-Manufaktur unterhielt. 1825 kaufte der Bankier Abraham Mendelsohn-Bartholdy das Haus und nutzte es als Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft. Der bekannte Komponist Felix Mendelsohn-Bartholdy verbrachte hier einen Teil seiner Jugend. Später etablierte König Friedrich Wilhelm IV. hier die „Erste Kammer“ des Preußischen Landtages. Von 1871 bis 1894 tagte hier der Deutsche Reichstag. Nach Untergang der Monarchie 1918 zog 1921 unter ihrem Präsidenten Konrad Adenauer der Preußische Staatsrat mit seiner ersten Kammer ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und der Auflösung des Staatrates, übernahm Hermann Göring das Haus und nannte es künftig „Preußenhaus“.

Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt und ab 1950 von der DDR nur teilweise instandgesetzt. Da das Herrenhaus in der Nähe zur Grenze am Potsdamer Platz lag, zogen die Staatliche Plankommission der DDR, sowie die Akademie der Wissenschaft in das Gebäude ein. Nach der Wiedervereinigung fiel 1996 die Entscheidung, das Gebäude wieder zu renovieren und für den Bundestag entsprechend umzubauen. Hinter der historischen Fassade verbergen sich nun helle, lichtdurchflutete Räumlichkeiten, in denen Fragmente früherer Schmuckdetails konserviert und ergänzt wurden. Gestaltete sich der Plenarsaal zu Preußens Zeiten als elitäre (verschlossene) Gemeinschaft, so bietet das heutige neue Herrenhaus für die Tagungen der Ministerpräsidenten der Bundesrepublik eine offene Transparenz zu allen Seiten, mit einer Bauweise, die den heutigen Anforderungen entspricht. Dabei hat Architekt Peter Schweger die ursprüngliche Größe des Plenarsaales behalten. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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