Ein Spaziergang zwischen Schöneberg und Steglitz

Wir beginnen unseren Stadtspaziergang am S-Bahnhof Priesterweg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, am Fuße des „Insulaners“. Der Berg hat die „stattliche“ Höhe von 78 Meter und muß erklommen werden, um der Wilhelm-Foerster-Sternwarte einen Besuch abzustatten.

Der Insulaner ist ein Trümmerberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem ehemaligen Kleingartengelände aus den Trümmern der damals zerstörten Stadt aufgeschüttet wurde. Heute ist der Trümmerberg ein Freizeitgelände mit einer üppigen Vegetation, sodass es kaum auffällt, dass dieser Hügel künstlichen Ursprungs ist. Der Name des Bergs wurde durch einen Ideenwettbewerb ermittelt, an dem sich Schöneberger Schulklassen beteiligten. Der Name lehnte sich an das damals populäre Kabarett „Die Insulaner“ im Hörfunksender RIAS an. 1951 erhielt der Insulaner offiziell seinen Namen.Bei klarer Sicht sind von oben das Rathaus Schöneberg, das Europa-Center, der Steglitzer Kreisel und das Kraftwerk Lichterfelde zu erkennen.

Der Einstieg auf den Hügel beginnt am Prellerweg, der Abstieg endet am Munsterdamm, der überquert wird. Wir folgen nun der Bergstraße am Friedhof Steglitz vorbei und biegen rechts in die Altmarkstraße ein. Wenige Meter weiter geht es links in die Kniephofstraße bis zur Bismarckstraße, in die wir rechts einbiegen. Am Lauenburger Platz sind wir mitten im Bismarckviertel. Das Viertel ist benannt nach Graf Otto 1. Fürst von Bismarck-Schönhausen und Herzog von Lauenburg, der als Gutsherrensohn einige Jahre in Berlin verbrachte, hier sein Abitur schaffte und studierte. Später ging er in die Politik und wurde 1871 zum Reichskanzler ernannt, mit dem Gut Friedrichsruh (Sachsenwald) beschenkt und in den Fürstenstand erhoben. Im Zusammenhang mit der Reichsgründung erhielt er 1871 das Berliner Ehrenbürgerrecht. Damals wohnte und arbeitete Bismarck in der Wilhelmstraße 77, dem Dienstsitz des Reichskanzlers. Zwei Jahre nach der Thronbesteigung Wilhelms II. (1859–1941) kam es 1890 zu unüberbrückbaren Differenzen zwischen Kanzler und Kaiser. Der Monarch entließ den Reichskanzler.

Der Lauenburger Platz ist ein beliebter Freizeittreffpunkt im Kiez und liebevoll gestaltet und gilt als ein Beispiel repräsentativer Berliner Schmuckgestaltung. Nach einer halben Umrundung des harmonisch eingefügten Teiches in der Anlage folgen wir rechts der Lauenburger Straße bis zur Feuerbachstraße mit seinem S-Bahnhof. Das Zugangsbauwerk, eine Rotunde aus Klinker, wurde vom Reichsbahnarchitekten Richard Brademann entworfen. Inzwischen ist die Anlage als Baudenkmal in der Berliner Landesdenkmalliste eingetragen.

Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zum Walter-Schreiber-Platz in Berlin-Steglitz, mit Beginn der Shopping-Meile Schloßstraße. Der Platz zwischen der Schloßstraße, der Bundesallee und der Rheinstraße, ist als solcher kaum zu erkennen. Er wird von den Berlinern gern auch als „Rheineck“ bezeichnet, obwohl er heute den Namen des Berliner CDU-Politikers Walther Schreiber trägt. Schreiber war seit 1951 Bürgermeister von Berlin, bevor er 1953 Nachfolger von Ernst Reuter, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin wurde. Der Platz bestand ursprünglich aus einer länglichen Mittelinsel, auf der mehrere Straßenbahnhaltestellen lagen, bis der Straßenbahnverkehr 1963 eingestellt wurde. Im Jahr 1971 wurde der U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz eröffnet, der damals zunächst als Endbahnhof fungierte. Die beschriebene Tour ist gut 3 Kilometer lang und mit zahlreichen öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Fotos von oben nach unten: Wilhelm-Foerster-Sternwarte, Lauenburger Platz, S-Bahnhof Feuerbachstraße, Schloßstraße.

 

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