Immer am Wasser entlang von Erkner zur Woltersdorfer Schleuse

Nur knapp eine halbe Stunde braucht die S-Bahn (S3) von der Stadtmitte Berlins hinaus ins Grüne nach Erkner. Allerdings sind es vom Bahnhof in der brandenburgischen Kleinstadt östlich von Berlin noch zirka 1000 Meter bis man auf der Brücke über der Löcknitz steht und den Geruch von Nadelbäumen in der Nase hat.

Zuvor lohnt ein Abstecher in den Rathauspark und ein Blick auf die Villa Bechstein an der Friedrichstraße. Der Klavier- und Flügelbauer baute sich in Erkner ein repräsentatives Sommerhaus, in dem heute der Bürgermeister der Stadt sein Domizil hat. Von der Friedrichstraße geht die Gerhart-Hauptmann-Straße ab, die nach dem Bildhauer und Dichter benannt wurde, der einige wichtige Jahre seines Lebens in der Stadt wohnte. Wir biegen jedoch vorher links in die Fürstenwalder Straße ein, um unseren Weg Richtung Woltersdorf fortzusetzen.

Ein weiterer bekannter Dichter hat hier seine Spuren hinterlassen. Auf seinem Weg durch die Mark Brandenburg schlug Theodor Fontane an der Löcknitz den Weg durch den Wald ein und folgte dem Wasserlauf bis zum Flakensee. Der See besitzt eine ausgezeichnete Wasserqualität und lädt im Sommer zum Baden ein. Nach zirka 1500 Metern (am Campingplatz) ist zudem noch eine große Badewiese, die Platz für Sport und Spiel bietet. Ein paar Meter weiter verlassen wir den Waldweg und biegen auf die angelegte Strandpromenade ein, die wir am Richard Zoozmannsteig treppauf wieder verlassen. Oben angekommen folgen wir links der Fangschleusenstraße und achten an der Ecke zur Buchhorster Straße auf die Hinweisschilder zum Aussichtsturm Woltersdorf auf dem Kranichsberg. Nach einem kleinen Fußmarsch von 20 Minuten bergan auf 104 Meter Höhe, erreichen wir den Turm, der vom Verschönerungsverein betrieben wird. Gegen eine kleine Gebühr müssen noch einmal 25 Meter auf 90 Treppenstufen an Höhe überwunden werden, um dann einen herrlichen Blick bis nach Berlin und zum Müggelsee genießen zu können.

Der Holzturm selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und erzählt in einer Ausstellung vom Aufstieg und Niedergang der märkischen Filmhochburg „Als Woltersdorf noch Hollywood war“. Es begann vor 100 Jahren mit Filmen, wie „Das Indische Grabmal“ (1921) und endete 2004 mit „Die letzte Schlacht“.

Ein ziemlich steiler Weg führt vom Aussichtsturm hinunter zur Schleuse, die für das Passieren größerer Schiffe die Straße hydraulisch heben kann. Um die Schleusenanlage herum laden zahlreiche Cafés und Restaurants zum Verweilen und einen letzten Blick auf den wunderschönen Flakensee ein. Mit der historischen Straßenbahnlinie 87 geht es dann zurück nach Berlin. Woltersdorf ist die kleinste deutsche Gemeinde mit eigener Straßenbahn. Seit 1913 verbindet sie den Ort mit dem S-Bahnhof Rahnsdorf im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Auf knapp vier Kilometer rattert die nostalgische Kleinbahn über die Schleusenstraße und Berliner Straße, um dann in ein Waldgebiet einzubiegen, das auf 1500 Meter zum Vergnügen der Mitfahrer „rasend“ durchquert wird. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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