Auf den Spuren von der Pilger- zur Kurstadt

Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts war Wilsnack, die Kleinstadt im Landkreis Prignitz im Nordwesten des Landes Brandenburg eine Pilgerstadt und ein Wallfahrtsort. Nachdem der Ort 1929 den Titel „Bad“ erhalten hat, entwickelte sich bis heute eine lebhafte Kurlandschaft.

Mit der Eröffnung der Kristall - Kur- und Gradiertherme im Jahr 2000 lässt es sich hier wunderbar relaxen. Die Thermalsole stammt aus einer eigenen, erbohrten Thermalwasserquelle in 1070 m Tiefe. Die imponierende Thermen- und Saunalandschaft und das einzige Gradierwerk Brandenburgs garantieren optimale Möglichkeiten für Gesundheit und Erholung und sorgen wieder für eine „Pilgerfahrt“ (in der Mehrzahl allerdings auf vier Rädern) in die Prignitz.

Bei einem Rundgang durch die Kleinstadt wird schnell die mächtige Wunderblutkirche St. Nikolai sichtbar. Das Wahrzeichen der Stadt ist eine ehemalig Wallfahrtskirche, deren Ursprung in das 14. Jahrhundert zurückgeht. 1384 wurde Wilsnack zum ersten Mal urkundlich erwähnt, nachdem der Ritter Heinrich von Bülow ein Jahr zuvor Ort und die alte Dorfkirche niederbrennen ließ. Auf dem Altar in der Ruine befanden sich drei unversehrt gebliebene Hostien mit Blutspuren. Das Blut war "Blut aus den Wunden Christi", "heiliges Blut", "Wunderblut". Bald verbreitete sich das Wilsnacker Hostienwunder und die damit verbundenen wundersamen Heilungen. Nach 1384 baute man die Kirche wieder auf. Die Bischöfe von Brandenburg, Havelberg und Magdeburg forderten die Gläubigen auf, die Hostien als wundertätig zu verehren. Sie versprachen Ablässe und Wallfahrer kamen bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts aus Böhmen, Ungarn, Polen, Skandinavien und vielen anderen Ländern. Erst 1552, als der evangelische Prädikant Joachim Ellefeld die Hostien verbrannt hatte, nahm die Wallfahrt ein Ende.

In der St. Nikolaikirche (eine spätgotische Backsteinhalle in klassischer Kreuzform) sind auch heute noch farbenprächtige Chorfenster, sowie der Wunderblutschrein und Sandsteinfiguren zu bewundern. Ferner bietet sich ein Spaziergang durch die „Große Straße“ mit den kleinen Nebenstraßen an. Der besondere Höhepunkt liegt im Bereich des Marktes - Lindenstraße, wo sich die wertvollen Bauten konzentrieren (Kirche St. Nikolai, Altes Rathaus, Ensemble Lindenstraße, Apotheke). Bad Wilsnack besitzt aufgrund seiner weit mehr als 600jährigen Geschichte im innerstädtischen Bereich Bauwerke aus dem späten 14. bis zum frühen 20. Jahrhundert, die trotz stilistischer und historischer Unterschiede miteinander harmonieren und zum großen Teil liebevoll restauriert wurden. Besonders schmuck herausgeputzt wurde der ehemalige Bahnhof der Stadt, der an seiner Fassade die Geschichte von Bad Wilsnack anschaulich in Bildern darstellt. Im Gebäude hält die Stadtinformation Pläne und Broschüren für die Besucher bereit.

Bekanntester Sohn der Stadt ist Wilhelm Harnisch, der im August 1787 in der Lindenstrasse 9 in Bad Wilsnack geboren wurde. Er war einer der bedeutendsten Führer auf dem Gebiet der Pädagogik am Anfang des 19. Jahrhunderts.

In die Kurstadt gelangt man auf verschiedenen Wegen. Auf zwei oder vier Rädern, in 90 Minuten mit der Bahn von Berlin (RE2) oder wie früher, auf dem Pilgerpfad. Auf zirka 130 Kilometern von der Marienkirche in Berlin-Mitte geht es seit 2006 nun wieder auf historischen einsamen Feldwegen, durch Wälder und Wiesen, entlang malerischer verkehrsarmer Alleen durch die Prignitz auf der ausgeschilderten Pilgerroute bis zur Wunderblutkirche nach Bad Wilsnack. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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