Rundgang durch die historische Altstadt

Altlandsberg wurde oft abgebrannt, aber immer wieder aufgebaut

Das einstige Ackerbürgerstädtchen Altlandsberg im Landkreis Märkisch-Oderland, nur wenige Kilometer östlich von Berlin gelegen, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Radler, die gleich auf mehreren Routen der Kleinstadt einen Besuch abstatten.

Leider ist die historische Altstadt mit den liebevoll sanierten Häusern und Gassen innerhalb der Stadtmauer ein wenig „ausgestorben“. Nur noch einige wenige Geschäfte rund um den Marktplatz lassen erkennen, dass hier schon im Jahr 1300 der Handelsweg von der Spree zur unteren Oder vorbeiging. Altlandsberg hat einen slawischen Ursprung und eine lange Geschichte.

Im 14. Jahrhundert wurde die Stadtanlage mit einer Stadtmauer befestigt, dennoch gelang es den Hussiten 1432, die Stadt zu erobern und niederzubrennen. Vermutlich stammt aus dieser Zeit der Münzschatz, der 2016 im Schlossviertel entdeckt wurde. Auch im Dreißigjährigen Krieg erlebte Altlandsberg schlimme Zeiten, brannte ab und wurde verwüstet. 1654 erwarb dann der kurfürstliche Minister Graf Otto von Schwerin das Schloss und die abgebrannte Stadt und ließ sie wieder aufbauen. 1670 wurde das Barockschloss und die zugehörige Saalkirche errichtet. Hier verbrachte der preußische König Friedrich I. nicht nur seine Jugend, 1708 kaufte er die Herrschaft Altlandsberg und wandelte sie in ein königliches Amt um. Nach seinem Tod gab sein Sohn Friedrich Wilhelm I. nicht nur die Residenz auf, er ließ auch die gesamte Ausstattung des Schlosses entfernen. Nach dem Brand von 1757 war das Schicksal des Barockschlosses endgültig besiegelt, es wurde bis auf die wiederaufgebaute Saalkirche abgerissen.

Was bietet die Kleinstadt heute ihren Besuchern ? Auf einem ausgeschilderten Rundgang, der am Rathaus auf der Berliner Allee beginnen kann, wird er auf Schautafeln die Geschichte der Stadt erleben können. Gleich hinter dem Rathaus, ehemals als Amtsgericht mit Gefängnis errichtet, erhebt sich der Berliner Torturm aus dem 13. Jahrhundert. Hier und an anderen Stellen sind Teile der Stadtmauer noch gut erhalten bzw. saniert worden.

Dem Rundweg folgend biegen wir von der Berliner Allee rechts in die Hirtengasse und folgen anschließend links der Klosterstraße. Vom Servitenkloster in der Hirtengasse und auch vom Vieh- und Bauernmarkt in der Klosterstraße ist leider nichts mehr zu sehen, dafür aber in der Straußberger Straße. Hier thront hoch oben auf dem Spitzhelm des Straußberger Torturmes ein Storchennest. Turm und Anbau dienten einst als Gefängnis und Polizeistation. Die Störche waren schon vorher da. Die Chronik erzählt, dass Störche schon seit 1897 auf dem „Storchenturm“ ihr Nest bauen.

Gleich neben an ist ein weiteres historisches Gebäude zu bestaunen. Das ehemalige „Armenhaus“ ist heute eine Gaststätte im historischen Ambiente. Wir folgen weiter der Stadtmauer und erfahren an der Infotafel von der „Durchreiche“ in der Feldsteinmauer, die ein paar Meter weiter tatsächlich noch vorhanden ist. An der Buchholzer Allee halten wir uns links und kommen so recht schnell am Schloss-Gut vorbei, dass jetzt in Privatbesitz ist. Öffentlich zugänglich sind dagegen die Schlosskirche und die Stadtkirche, die beide auf dem Weg zum Marktplatz zum Verweilen einladen. Der Marktplatz dagegen wirkt ein wenig trist und „unbewohnt“, obwohl gerade hier früher das Leben pulsierte.

Der Platz wurde ursprünglich als Bürgerpark angelegt, später war er Demonstrationszentrum, von 1945 bis 1992 Ehrenhain der sowjetischen Soldaten. Heute dient der Mark als Fest- und Gedenkstätte, wie dem jährlichen „Anradeln“ im Frühjahr. Das Altlandsberger Sattelfest hat bei Radlern schon eine lange Tradition. Ein regionales Highlight ganz besonderer Art ist der Vogelscheuchenmarkt mit den offenen Bürgerhöfen am 1. Samstag im September. Dann ist der gesamte historische Stadtkern mit Marktplatz, Schloss- und Kirchplatz sowie den vielen offenen Höfen ein einziger Schauplatz.

Noch ein Tipp zum Schauen: Das Fahrradhaus in der Berliner Allee 4. Hier findet man nicht nur neue Zweiräder, hier lassen sich Kuriositäten und eine Galerie entdecken, die schon für weltweites Aufsehen gesorgt hat. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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