Er ist das Wahrzeichen im Chamissokiez und sieht aus wie ein mächtiger Wehrturm aus dem Mittelalter. Doch ganz so alt ist der Wasserturm an der Ecke Kopischstraße/Fidicinstraße im Berliner Bezirk Kreuzberg dann doch noch nicht. 1888 wurde der knapp 50 Meter hohe Turm im Stil der märkischen Backsteingotik in Betrieb genommen, um die Menschen auf dem „Tempelhofer Berg“ mit Trinkwasser zu versorgen.

Im Turm ist eine Wasserhebestation eingebaut, die dafür sorgt, dass mit dem nötigen Druck das Wasser aus der Leitung fließt. Die aufwendige Bauweise und der anschauliche Blickfang sollten zur Aufwertung des Stadtviertels beitragen. So wurde damals ein Wettbewerb ausgeschrieben, den die Architekten Hugo Hartung und Richard Schultze gewannen. Die Anlage war bis 1960 in Betrieb und steht jetzt unter Denkmalschutz. Nachdem man erst Wohnungen in den Turm gebaut hatte, erfolgte 1988 eine umfassende Sanierung und der Ausbau zu einem Freizeitzentrum für Jung und Alt, sowie für Menschen aller Nationalitäten und Kulturen. Text und Foto: Klaus Tolkmitt

 

Info zu den Berliner Wassertürmen: Die Wassertürme hatten einen Behälter zur Speicherung von Trinkwasser. Sie wurden besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und in Betrieb genommen. Sie waren über das gesamte Stadtgebiet verteilt und stehen heute (wenn noch erhalten) fast alle unter Denkmalschutz. Die erhöhte Lage des Behälters sorgte für einen konstanten Druck im Wassernetz und versorgte die angeschlossenen Gebäude mit Hilfe des aus der Schwerkraft resultierenden hydrostatischen Drucks mit Trinkwasser. Der Hochbehälter diente dabei als Ausgleichsbehälter und musste ständig mit Hilfe von Pumpen nachgefüllt werden, damit der Pegel möglichst auf gleicher Höhe blieb. Die Berliner Wassertürme zeigen ein vielfältiges Erscheinungsbild. Mal wurden sie aus gotischem Backstein errichtet, mal aus Beton oder auch aus Stahl. Leider haben alle Türme heute keine Bedeutung mehr in der Wasserversorgung und werden u.a. als Wohnraum, Galerie, Kultureinrichtung oder Museum unterschiedlich genutzt. 

 

 

 
 

 

 

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