Knatternde Windmühlen sorgen für liebevoll-spöttischen Beinamen

"Heut ist Karneval in Knieritz (gemeint ist Kyritz) an der Knatter". Dieser Karnevalsschlager von Ernst Hilbich war 1987 der Ohrwurm schlechthin und brachte das kleine Städtchen im Nordwesten Brandenburgs in aller Munde. Die Stadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin liegt allerdings nicht an der „Knatter“, sondern an der Jäglitz. Der liebevoll-spöttische Beiname stammt der Legende nach von Reisenden, die einst auf dem Postweg Berlin - Hamburg hier Station machten und sich vom Rattern und Knattern hölzerner Mühlenräder gestört fühlten, die es hier an einem Nebenarm der Jäglitz gab.

Heute ist dieser Nebenarm verrohrt und von den einst fünf Wassermühlen existiert nur noch das Gebäude einer Mühle. Kyritz liegt direkt an den Bundesstraßen 5 (Berlin-Hamburg) und 103 (Kyritz-Rostock), ist aber auch mit der Regionalbahn von Berlin gut zu erreichen. Auf Grund dieser günstigen Lage an der historischen Handelsstraße sowie einem weitverzweigten Gewässernetz wurde die Stadt 1359 in die Hanse aufgenommen. Sie gehörte ihr bis 1417 an. Gehandelt wurde vor allem mit Tuchen und dem Bier mit dem rauflustigen Namen “Mord und Totschlag”.

Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft “Städte mit historischen Stadtkernen” des Landes Brandenburg hat sich Kyritz dem Erhalt historischer Bausubstanz verpflichtet. Rund um den Marktplatz mit der mächtigen Friedenseiche geben viele liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser der Stadt einen ganz besonderen Charme. Geprägt wird das Stadtbild von der Doppelturmfront der St. Marienkirche, errichtet 1850 nach einem Entwurf des preußischen Oberhofbaurates Stüler. Sehenswert in der Kirche sind unter anderem das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert, ein Gemälde aus der Rubensschule, und die Reubke-Orgel von 1873. Direkt vor der kleinen Heimatstube am Marktplatz erzählt der Bassewitzbrunnen die Sage von den mutigen Kyritzer Marktfrauen, die vor 600 Jahren den Ritter Bassewitz mit heißem Hirsebrei übergossen und damit besiegten. Sein Schwert, mit dem er hingerichtet wurde, wird im kastellartigen Rathaus aufbewahrt. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von oben nach unten: Marktplatz mit Rathaus, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, Kirche St, Marien, Blick vom Marktplatz

 

 

 

 

 

 

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