Marienpark wird ein moderner Gewerbepark

Die Gebäude und Anlagen im Marienpark an der Lankwitzer Straße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, im Ortsteil Mariendorf, die heute zum Teil unter Denkmalschutz stehen, gehörten einst zum größten und modernsten Gaswerk Europas. Das war allerdings Anfang des 20. Jahrhunderts.

Von der ursprünglichen Bebauung, im Stil der norddeutschen Backsteingotik, sind bis heute zahlreiche Gebäude erhalten. Neben den Kugel-Gasbehältern, dem ca. 50 Meter hohen neuem Wasserturm sticht der alte Wasserturm in der Mitte des riesigen Areals besonders ins Auge. Aber auch das ehemalige Verwaltungsgebäude der GASAG und der bereits 1892 in Wien und 1901 nach Berlin verbrachte Teleskop-Niederdruck-Gasbehälter halten die Geschichte lebendig.

Nachdem in Berlin die Gasbeleuchtung etabliert war, wuchs der Verbrauch und wurde ein eigenes Gaswerk für die Stadt notwendig. Mariendorf bot sich in der damaligen Zeit um 1900 als Standort für ein kohlebetriebenes Gaswerk an, weil die Strecke der Dresdener-Berliner Eisenbahn direkt am Gelände vorbeiführte und auch der Teltowkanal die Kohleanlieferung mit Schiff möglich machte. Ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann die Umstellung der Gasproduktion auf Leichtbenzin und Methanol und die damit einhergehende Notwendigkeit, das Gaswerk Mariendorf umzubauen. Schließlich führte die Umstellung dazu, dass man die Gasherstellung aus dem Rohstoff Kohle im Jahr 1980 komplett einstellte. In den neunziger Jahren wurde die Berliner Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas modifiziert. Dadurch wurde das Gaswerk Mariendorf nicht mehr benötigt und führte im Jahr 1996 zur Stillegung.

Seit 2013 entwickelt nun die BMDF Gewerbepark Berlin-Mariendorf ein neues Konzept zur Belebung des Geländes mit Gewerbe und Erlebnisgastronomie. So wird in absehbarer Zeit (Stand 2020) ein Rechenzentrumscampus entstehen, bietet eine Backmanufaktur ab 8.00 Uhr bis Ausverkauf frisch gebackenes Brot und röstet die Firma Sagers biologisch kontrollierten Fairtrade-Kaffee aus Nicaragua und Mexico. Zu den größten Mietern der alten Werkshallen zählt zweifelsohne die Brewdog Brauerei. Seit 2019 füllt ein schottischer Brauer das Restaurant samt Biergarten mit neuem Leben. Das historische Gebäude aus dem Jahr 1901 ist ein echter „Hingucker“ geworden. Die Innenfassade wurde von einem Graffiti-Künstler mit maritimen Motiven gestaltet, hinzu kommen Spielebereiche für Kinder und Erwachsene und natürlich der Blick in das Herz der Draft-Bier-Brauerei. Text und Fotos Klaus Tolkmitt

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