5.Etappe Bahnhof Südkreuz – Potsdamer Platz

Berlin hat 20 grüne Hauptwege, auf denen man wandern, flanieren oder einfach nur spazieren gehen kann. Das Wege-Netz durch die grünen Korridore der Stadt umfasst mehr als 550 Kilometer, auf denen man weitestgehend vom fließenden Verkehr verschont bleibt und auch den Lärm einer Großstadt nicht mehr als belästigend wahrnimmt.

Der Wanderweg 5 verläuft in Nord-Süd-Richtung und begleitet die Panke bis zur Mündung in die Spree. Wir wollen den Weg in kleinen Etappen erkunden und haben die Tour in umgekehrter Richtung begonnen.

Die 5. Etappe beginnt am Bahnhof Südkreuz im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Bis 2003 war hier der Bahnhof „Papestraße“, der bis 2006 zum „Südkreuz“ ausgebaut wurde und als der drittgrößte Berliner Fernbahnhof eingestuft wird. Wir verlassen den Bahnhof am Hildegard-Knef-Platz und halten uns rechts auf die Wilhelm-Kabus-Straße. Gleich hinter der Unterführung biegt rechts ein schmaler Weg ab, der dann parallel zur Bahn-Linie Richtung S-Bahnhof Yorckstraße verläuft.

Doch vorher nehmen wir die Treppenstufen zur Monumentenbrücke hinauf, um auf der anderen Seite der Gleise unseren Weg fortzusetzen. Auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Yorckstraße und Monumentenbrücke liegt der Flaschenhalspark, der seinen Namen der Form verdankt, die an eine auf den Kopf gestellte Flasche erinnert. Im weiteren Verlauf des Weges erreichen wir dann in den Park am Gleisdreieck, der sich von einer unzugänglichen Brachfläche zu einem generationsübergreifenden Lieblingsort für die Berliner entwickelt hat.

Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände mit dem ehemaligen Anhalter Bahnhof und Potsdamer Bahnhof als Güter- und Postbahnhof genutzt. Nach 1945 durchquerte lediglich noch die S- und U-Bahn die unzugängliche Stadtbrache. Erst 1997 begann man mit der Renaturierung des Geländes und schuf einen Freizeit- und Erholungspark, in dem man herrlich flanieren und Sport treiben kann. Am Landwehrkanal ist es erst einmal mit der Ruhe vorbei, denn fließender Verkehr am Schöneberger Ufer behindert den Wechsel auf die andere Straßenseite, um den Weg an der U-Bahn-Station Mendelsohn-Bartholdy-Park fortzusetzen. Wir nehmen deshalb rechts die Brücke und biegen links auf das Reichpietschufer. Gleich hinter der U-Bahn geht rechts die Gabriele-Tergit-Promenade ab, die uns zum Potsdamer Platz bringt. Im Schatten der kompakten Büro- und Geschäftstürme fällt der kleine bunte Pavillon erst auf den zweiten Blick auf, an dem wir vorbeikommen. Er ist dem traditionellen Pavillon Sangnyangjeong des Königspalastes nachempfunden, der in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul steht. Deutschland erlebte 1990 die Wiedervereinigung, Korea dagegen ist seit 1945 noch immer in das heutige Nord- und Südkorea geteilt. Der koreanische „Pavillon der Einheit“ am Tilla-Durieux-Park war zum 25. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung ein Geschenk der Koreaner, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, eines Tages auf ihrer Halbinsel auch friedlichzusammenleben zu können. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Fotos von oben nach unten: Wanderweg am Bahnhof Südkreuz, Graffiti am der Monumentenbrücke, im Flaschenhalspark, Pavillon der Einheit.

 

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