Promis lieben das Rathaus Schmargendorf und Berlins kleinste Dorfkirche bietet Platz für 80 Gläubige

Bei unserem Rundgang durch den Berliner Bezirk Wilmersdorf schauen wir uns ein wenig im Ortsteil Schmargendorf um, der bis heute seinen eher kleinstädtischen Charakter um den Berkaer Platz erhalten konnte.

Wir beginnen unsere Tour am Hohenzollerndamm 130, in Nähe der Evangelischen Kreuzkirche, deren mächtiger, eckiger Kirchturm besonders ins Auge fällt. Die Kreuzkirche gehört nicht nur zu den wenigen expressionistischen Sakralbauten, sie hat einen blauen Portalvorbau, der aus bemalten italienischen Keramikfliesen gestaltet wurde. Nach der Grundsteinlegung am 4. Dezember 1927 konnte sie am 15. Dezember 1929 eingeweiht werden, und Schmargendorf erhielt neben der alten – inzwischen zu klein gewordenen – Dorfkirche seine zweite evangelische Kirche. Der Gebäudekomplex steht inzwischen unter Denkmalschutz.

Den Berkaer Platz erreichen wir durch die Auguste-Viktoria-Straße. Vorher kommen wir noch am Haus Nummer 64 vorbei, in dem Dr. Marie Munk lebte. Als erste Frau Preußens promovierte sie 1911 in Jura und eröffnete 1924 als erster „weiblicher“ Rechtsanwalt eine Kanzlei. Der Berkaer Platz wird von dem wunderschönen Rathaus dominiert, das den Stil der märkischen Backsteingotik mit Jugendstilelementen verkörpert. Vorbilder für die Gestaltung des Schmargendorfer Rathauses waren die mittelalterlichen spätgotischen Befestigungsbauten in der Altmark. Vor allem in Tangermünde und Stendal befinden sich ähnliche Bauten. Besonders das Standesamt erfreut sich großer Beliebtheit bei den Berlinern, denn wer möchte in so einem Ensemble nicht gern heiraten. Zu den bekanntesten Prominenten, die in Schmargendorf den Bund fürs Leben eingegangen sind, gehören Schauspieler Curd Jürgens (1937), Musiker Helmut Zacharias (1943), Schauspielerin Romy Schneider (1975), Boxer Bubi Scholz (1955), Schauspielerin Anita Kupsch, Musiker Paul Kuhn, Fußballtrainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein, Schauspielerin Ingrid Steeger, Sänger Gunter Gabriel, Sänger Roland Kaiser und der Entertainer Harald Juhnke (8. April 1971).

Über die Reichenhaller Straße kommen wir zum Kolberger Platz und setzen unseren Weg über die Friedrichshaller Straße fort. An der Cunostraße biegen wir rechts ab und stoßen an der Breiten Straße auf Schmargendorfs Dorfkirche. Sie ist die allerkleinste noch erhaltene Feldsteinkirche Berlins. Die Kirche stammt aus dem Ende des 13. Jahrhunderts und war bis 1929 die einzige Kirche Schmargendorfs. Mit einer Grundfläche von 66 Quadratmetern bietet sie gerade mal Platz für etwa 80 Personen. Wir flanieren weiter über die Breite Straße und Wiesbadener Straße aus Schmargendorf hinaus.

An der Ecke Zoppoter Straße werfen wir noch einen Blick auf das interessante, 1902erbaute Eckhaus, das 2008 wunderschön saniert wurde. Hinter dem Einkaufszentrum führt ein schmaler Weg (Franz-Cornelsen-Weg ) auf die Mecklenburgische Straße. Wir nehmen gleich die nächste Straße rechts (Rudolf-Mosse-Straße), am Rudolf-Mosse-Stift vorbei und gelangen zur „Schlange“. Autofahrer werden die „Schlange“ als Tunnel kennen, denn längs unter dem Wohnkomplex führt eine Autobahntrasse. Wir müssen ebenfalls den massigen Betonklotz auf der Wiesbadener Straße unterqueren, um nach zirka 350 Meter die U-Bahn am Rüdesheimer Platz zu erreichen. Dort kann der Kiezspaziergang durch Schmargendorf nach rund 3,5 Kilometern beendet oder ein neuer Rundgang durch das Rheingauviertel begonnen werden. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt, Foto Altar in der Kreuzkirche: Bodo Kubrak

Fotos von oben nach unten: Dorfkirche Schmargendorf, Kreuzkirche Schmargendorf, Altar Kreuzkirche, Erinnerung an Marie Munk, Das Rathaus Schmargendorf, Im Rathaus Schmargendorf.

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