Aus Kreuzberg kommt der erste Computer

In der Methfesselstraße 7 in Berlin-Kreuzberg steht die Wiege des weltweit ersten Computers. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte der Bauingenieur und Erfinder Konrad Zuse 1941 seine funktionsfähige Rechenmaschine Z3 vorgestellt und sich seinen Traum von der vollautomatischen Rechenmaschine erfüllt.

Zuse, 1910 in Berlin geboren, ist Schöpfer des ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechenanlage. Konrad Zuse studierte an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg und arbeitete später bei den Hentschel-Flugzeugwerken in Berlin. Da er zu „faul“ zum Rechnen war, begann er eine Maschine zu basteln, die ihm diese Arbeit abnahm. Nicht nur die Zahlen wollte er binär darstellen, sondern die gesamte Maschine sollte auf diesem Prinzip (Aussagenlogik) arbeiten. Er entwickelte dazu ein leistungsfähiges binär arbeitendes Gleitkommarechenwerk, welches erlaubte, sehr große und sehr kleine Zahlen mit hinreichender Genauigkeit zu verarbeiten.

Die Rechenanlage Z4, deren Bau 1942 begonnen wurde und die bis 1945 in Berlin nicht mehr fertiggestellt werden konnte, wurde als einzige Maschine vor der Zerstörung durch Bombenangriffe gerettet. Der Rechner war eine Erweiterung der Z3 und bildete die Grundlage, um nach dem Krieg das erste deutsche Computerunternehmen, die „Zuse KG“, aufzubauen. Der Z4 wurde 1949 in Neukirchen im Kreis Hünfeld in Hessen restauriert und arbeitete ab 1950 für fünf Jahre erfolgreich an der Technischen Hochschule in Zürich. Sie war 1950 die einzige kommerziell eingesetzte programmgesteuerte Rechenanlage in Europa.

Ein Nachbau der Z1 steht heute im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Das Original war im Wohnzimmer seiner Eltern aufgebaut und wurde samt den Plänen im Bombenkrieg zerstört. Eine Gedenktafel in der Methfesselstraße (unweit der Bergmannstraße/Ecke Mehringdamm) erinnert an den genialen Ingenieur.Text und Foto: Klaus Tolkmitt

Foto oben: Die Gedenktafel für Konrad Zuse

Foto unten: Das Deutsche Technikmuseum

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