Die Villa „Herz“ am Großen Wannsee 52-54 wurde 1891/92 von Wilhelm Martens, einem Schüler von Martin Gropius erbaut.

Das Anwesen wurde ursprünglich von Kommerzienrat Paul Herz und seiner Frau Ida als Sommerwohnsitz genutzt. Erst später gesellten sich Nachbarn dazu: 1913 wurde der gegenüberliegende Arnholdsche Obstgarten bebaut, 1914 die Villa Marlier, die heutige Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz".

1926 kaufte der Schokoladenfabrikant Nelson Faßbender die Villa von Ida Herz. Das Unternehmen war 1863 von Heinrich Faßbender in Berlin zur Herstellung feinster Pralinen gegründet worden. 1905 wurde der Sohn Mitinhaber der Konfitürenfabrik, 1927 Alleininhaber der beiden Firmen in Berlin. Faßbender unterhielt ca. 50 Filialen in Deutschland und hatte 1930 die bedeutendste Firma ihrer Art. Er beschäftigte 300 Arbeiter und Angestellte. Nelson Faßbender war im Ersten Weltkrieg Rittmeister der Reserve und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Nach dem Erwerb der Villa Herz ließ er auf dem Grundstück einen Reitplatz anlegen. Zu Ehren Adolf Hitlers pflanzte er Anfang der dreißiger Jahre im Garten der Villa Herz eine Eiche.

Die Villa wurde nach Kriegsende geplündert, das Rote Kreuz quartierte Flüchtlinge ein, bis die US-Armee dort ein Cafe einrichtete. 1950 übernahm die Gebietskörperschaft Groß-Berlin das Anwesen, das nun als Gästehaus diente. Ende der neunziger Jahre wurde das Gebäude und ein Teil des Gartens als Jugenderholungsheim des Bezirks Berlin-Tiergarten genutzt, das seit 1953 Pächter war. 1972 verpachtete das Bezirksamt Zehlendorf einen Teil des Grundstücks an den Seglerverein Alsen e. V. 1990 wurde der Garten der Villa Herz als denkmalwert eingestuft. Seit nunmehr mehreren Jahren ist die Villa in Privatbesitz.

Quelle: © Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin 2012, Foto: Klaus Tolkmitt

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