Die Tilsiter Lichtspiele feierten 2008 ihr 100jähriges Bestehen und gehören damit zu den ersten Kinos in Berlin.

Zu verdanken hat das Kino seinen Namen der an Tilse und Memel gelegenen ostpreußischen Stadt Tilsit, nach der 1883 eine von vielen Berliner Straßen erstmalig einen Namen anstelle einer Nummer erhielt - die Tilsiter Straße im späteren Stadtteil Friedrichshain.

Im  Februar 1849 wurde Friedrich Wilhelm Voigt in Tilsit geboren, der knapp ein halbes Jahrhundert später in Berlin als Hauptmann von Köpenick Furore machte. Desweiteren gehören der Dichter Johannes Bobrowski und der Schauspieler Armin Mueller-Stahl zu den bekanntesten Söhnen der Stadt.

Gelegen im Erdgeschoss eines Altberliner Wohnhauses, hat das kleine Kino seit 1908 eine wechselhafte Geschichte erlebt. Ursprünglich in privatem Familienbesitz befindlich, musste der letzte Betreiber zu DDR-Zeiten 1961 seine letzte Vorstellung geben, als im gleichen Jahr der antifaschistische Schutzwall - die Berliner Mauer - errichtet wurde.

Als dann am 18. Februar 1994 eine Gruppe junger Künstler, der in den Wendejahren das Kino als konspirative Adresse diente - Spielplatz, Versteck und Ort für Verschwörungen zugleich - nach 1.201 Tagen berauschten Schaffens im ewigen Halbdunkel gegen morgens um halb fünf die Siegel brach, immer langsamer auf den Bürgersteig trat und mit weichen Gliedmaßen in das späte Laternenlicht blickte und darüber erschauerte, dass das goldene Zeitalter plötzlich zu Ende war, musste sie sich darüber verwundern, dass sie die ganze Nachwendezeit in einem alten Kino eingeschlossen war, das auch noch den Namen einer unter ihresgleichen nicht so beliebten Käsesorte trug.

Geblendet von der Realität des Draußenseins beschlossen die Versehrten, sich sofort wieder zurückzuziehen und noch am selben Abend ihr Wohnschlafatelier als Kinokneipe öffentlich zu machen. Ein paar Anrufe, ein bisschen Farbe und zwei Kurzschlüsse später trafen die ersten Gäste ein und bezahlten den Künstlern fortan das Bier, dass sie ohnehin selbst verzehrt hätten. Das wurde als weitaus realer als der kürzlich verstorbene Sozialismus empfunden und so produzierten sie frohgemut Kunst und Käse am Stück und förderten so manche Wahrheit zu Tage, wie die über Van Gogh oder die Stasi.

Die Tilsiter Lichtspiele wurden ein Festpunkt der jungen Wende-Intelligenzija Ostberlins, die den stasi-geförderten und alt gewordenen Prenzlauer Berger Sumpf ausgetrocknet hatte. Und so vergingen die Jahre und da sie nicht gestorben sind, gibt es sie noch heute

Das heutige Programmkino mit Kneipe in der Richard-Sorge-Straße in Friedrichshain - genau in der Mitte zwischen dem ehemaligen Kino Kosmos in der Karl-Marx-Alle und dem UCI Kinowelt in der Landsberger Allee gelegen, versorgt jeden Abend die Besucher mit interessanten Filmen und Bier aus eigener Brauerei, aber ohne Tilsiter Käse.

Die Tilsiter Lichtspiele sind die erste Achse der Kino-Troika Friedrichshain, zu der noch das Kino Zukunft und das Freiluftkino Pompeji gehören. Die Tilsiter Lichtspiele sind das zweitälteste, das Kino Zukunft das neueste und das Freiluftkino Pompeji das ungewöhnlichste Kino in Berlin.

Zusammen sind sie die Kino-Troika Friedrichshain. Mit der Troika-Karte erhält man in allen drei Kinos bei jedem 7. Film freien Eintritt.  Quelle und Fotos: Tilsiter Lichtspiele.

 

 

ODEON - Das Original

1950 als „Filmbühne Sylvia“ eröffnet, bietet das ODEON heute den Besuchern Filme in Originalversion an. Das Kino ist ein echter Pionier der OV-Kultur. 1985, drei Jahre nach seiner Übernahme durch die Yorck-Gruppe, wird das Programm nahezu ausschließlich auf englischsprachige Filme in ihrer Originalfassung umgestellt. Somit war das ODEON das erste Kino in Berlin, in dem Filme in Originalfassung gezeigt wurden.

Inzwischen ein Kultkino für Cineasten und der coole Neon-Schriftzug ODEON ein Markenzeichen. Von außen wirkt der schlichte Kino-Bungalow mit den farblich abgesetzten Reliefs gar nicht so groß, dabei bietet er Platz für 359 Besucher und Sicht auf eine überraschend breite Kinoleinwand. Keine Überraschung also, dass die „Berlinale goes Kiez“ schon mehrmals das ODEON an der Hauptstraße in Schöneberg besucht hat. Quelle: Yorck-Kino-Gruppe. Text und Foto: Klaus Tolkmitt

 

Berlins höchstes Kino

Das Sputnik Kino in den Hinterhöfen am Südstern in Berlin-Kreuzberg zwischen Hasenheide und Körtestraße hat nicht nur eine wechselvolle Geschichte hinter sich, es ist „Berlins höchstes Kino“.

Im 3. Hinterhof des Gewerbekomplexes aus dem 19. Jahrhundert mit typischer Klinkerfassade gelegen, hat man im 5. Stock aus der Kino Bar einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. Gegründet vom Sputnik-Kollektiv 1984, als die Höfe noch Abbruchhäuser waren, ist es bis heute ein Arthouse Kino fest eingebunden in den Kiez mit treuer Stammkundschaft.

Aufgrund des sorgsam ausgewählten Programms und der einzigartigen Lage kommen Gäste nicht nur aus Kreuzberg. Stefan Arndt, der heute die Produktionsfirma X Filme („Good Bye, Lenin!“) managt, hat seinerzeit als Mitgründer selbst mitgemörtelt. Im April 2008 wurde es von der Medien- und Veranstaltungsagentur Andrea Stosiek, die auch das Freiluftkino Insel im Cassiopeia auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain betreibt, übernommen.

Ein gewisser „Kreuzberger“ Charme kann dem Sputnik Kino nicht abgesprochen werden. Für Berliner Kinos einzigartig sind die gemauerten Sitzreihen im Kinosaal1, aufgelockert durch Zweisitzer für Paare. 77 Personen finden hier Platz. Kinosaal 2 - "Kulturrevolution" - ausgestattet mit Sofas und Sesseln, bietet Platz für 20 Personen und hat Wohnzimmercharakter. „Das Blair Witch Project in diesem Kino zu

 

schauen, ist, als säße man auf dem Schoß der Regisseurin, während die schlimmsten Dinge auf der Leinwand geschehen“, so ein Gast.

Besonders reizvoll ist der Blick durch die großen Fenstertüren und von den Balkonen der Kino-Bar weit über die Dächer Berlins. Die Bar ist großzügig und offen geschnitten und bietet neben dem geschwungenen gelben Tresen im 50er Jahre Design etwa 30 Sitzplätze, bestehend aus Sofas und Sesseln. Sie bietet außerdem ausreichend Raum für Specials. So werden u.a. wichtige Sportereignisse, Kurzfilme oder Sonderscreenings auf der großen Leinwand gezeigt. Die Räumlichkeiten des Kinos (Bar und Kinosäle) mit ihrem besonderen Charme können für unterschiedliche Anlässe gemietet werden. Quelle: © Sputnik Kino, Fotos: Sputnik Kino (2), Klaus Tolkmitt (1) siehe auch: http://www.sputnik-kino.com/program/featured

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