Das Mosse-Stift ähnelt einem Schloß

Umgeben von einem Park befindet sich an der Rudolf-Mosse-Straße im Ortsteil Wilmersdorf im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf das ehemalige Mosse-Stift. Der neubarocke Bau, der einem Schloß ähnelt, wurde 1895 fertiggestellt. Es ist benannt nach Emilie und Rudolf Mosse, die als wohlhabende Zeitungsverleger hier ein Waisenhaus (Mossesche Erziehungsanstalt) für je 50 Jungen und Mädchen aus dem verarmten Mittelstand errichten ließen, um ihnen eine qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren erhielten hier unentgeltlich Verpflegung und Kleidung. Nach dem Tod von Rudolf Mosse konnte seine Witwe zur Zeit der Inflation die Einrichtung nicht weiter betreiben und schenkte das Gebäude 1922 der Stadt Berlin mit der Auflage, es unter Beibehaltung des Namens weiterhin für die Kinder- und Jugendwohlfahrt zu nutzen. Der Bezirk Wilmersdorf ließ die Einrichtung zu einem Lehrlings- und Säuglingsheim umbauen.

Unter den Nationalsozialisten verschwand der Name der jüdischen Stifter und das Haus wurde 1936 zur Knesebeck-Kinderklinik und nach dem Zweiten Weltkrieg zur Städtischen Kinderklinik Wilmersdorf umgewidmet. 1977–81 erfolgte ein weiterer Umbau für die Nutzung als Rehabilitationszentrum und als Lehrlings- und Jugendwohnheim. Seit Ende der 1990er Jahre befinden sich wieder hauptsächlich Kinder- und Jugendeinrichtungen in dem inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Im ehemaligen Park können sich Kinder auf einem großen Abenteuerspielplatz tummeln. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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