In Schöneberg wurde Kommunikationsgeschichte geschrieben

Georg Meisenbach revolutionierte die Drucktechnik

In den Meisenbach-Höfen an der Hauptstraße in Berlin-Schöneberg wurde vor mehr als hundert Jahren Kommunikationsgeschichte geschrieben. Heute sind hier kleinere Gewerbetreibende zu Hause und leben Menschen in neuen oder sanierten Wohnungen.

1892 befand sich in den Gebäuden eine Niederlassung der Firma Meisenbach, Riffarth & Co. Inhaber und Gründer Georg Meisenbach revolutionierte 1881 die Drucktechnik mit der Erfindung des Rasterdrucks. Durch diese Technik wurde es möglich, Bilder schwarzweiß und farbig in bester Qualität und zu günstigen Preisen zu reproduzieren. Die bunten Zeitschriften und Kunstbücher, wie wir sie heute kennen, wurden durch diesen Entwicklungsschritt erst möglich. Für die Kommunikation war dies ein ähnlicher Meilenstein, wie es heute die digitalen Medien sind.

1882 gelang es Meisenbach mittels eines fotografisch-chemischen Verfahrens, Bilder durch ein Glasgravur-Raster auf eine beschichtete Druckplatte zu kopieren. Diese „Autotypie” (auch Netzätzung genannt) war weitaus schneller, einfacher und damit günstiger als die manuelle Erstellung von Holz- oder Kupferstichen. Die neue Technik setzte sich vor allem im Kunstdruck schnell durch und wurde bereits 1883 in der Leipziger Illustrierten Zeitung angewendet.

Georg Meisenbach wurde am 27. Mai 1841 in Nürnberg geboren. Mit 14 Jahren erlernte er den Beruf des Stahl- und Kupferstechers. Um 1876 gründete er eine Chemigraphische Kunstanstalt in München und arbeitete dort an der Entwicklung eines Druckverfahrens von Zinkplatten, das später Autotypie genannt wurde. 1883 gründete Meisenbach zusammen mit Josef Ritter von Schmädel in München die Autotypie-Company. 1892 entstand aus dem Zusammenschluss der Unternehmen Meisenbach & Co. in München und Heinrich Riffarth & Co. in Berlin das neue Unternehmen Meisenbach, Riffarth und Co. Um 1900 war dieses Unternehmen mit Niederlassungen in Berlin, München und Leipzig zur europaweit bedeutendsten graphischen Kunstanstalt aufgestiegen.

Georg Meisenbach zog sich 1891 aus Krankheitsgründen aus seinem Geschäft zurück und wohnte seitdem auf seinem Landsitz in Emmering bei Ebersberg in Bayern. Dort starb er am 24. September 1912 im Alter von 71 Jahren. Auf einem Wandbild in den Meisenbach-Höfen sieht man nicht nur die Ausmaße, die die Firma mit ihren Produktionsstätten einst in Schöneberg einnahm, sondern kann die Geschichte auf Informationstafeln nachlesen. Quelle: Wikipedia, Historische Orte. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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