Herbstspaziergang am Lietzensee

Berliner „Luftoase“ hat eine sagenumwobene Geschichte

Im Berliner Bezirk Charlottenburg liegt im Ortsteil Witzleben, von der Neuen Kantstraße „durchschnitten“, versteckt hinter hohen Eichen und Trauerweiden der sagenumwobene Lietzensee. Im See soll ein ganzer Ort, das Dorf Lützow (Lietzow), versunken sein. Der Grund für den Untergang sei nicht bekannt, aber manchmal stießen die Fischer mit ihren Booten mitten auf dem See an die versunkene Kirchturmspitze. Deshalb eigne sich das Gewässer auch nicht zum Fischen.

Lietzow wurde 1719 in die damalige Stadt Charlottenburg eingemeindet. Es gehörte zum Benediktinerinnenkloster St. Marien und wurde von den Nonnen als Fischteich genutzt. Heute gilt der See als ein innerstädtisches Kleinod, das von den Berlinern gern als „Luftoase“ genutzt wird. Der See hat eine Fläche von knapp 7 Hektar und ist drei bis vier Meter tief. Die umliegenden Parkanlagen des Lietzenseeparks sind weitere 10 Hektar groß. Seit 1904 ist der See durch einen – für die Neue Kantstraße aufgeschütteten – Damm in eine Nord- und Südhälfte geteilt, die seit 1954 durch eine Unterführung miteinander verbunden sind.

Seit den 1990er Jahren ist der Park eine denkmalgeschützte Gartenanlage. Der See existierte bereits vor der Besiedlung des Gebietes und lag mitten in einem Wald. 1824 erwarb der spätere preußische Staats- und Kriegsminister Job von Witzleben den Lietzensee und ließ in den Folgejahren erste Parkanlagen anlegen. Nach dem Tod Witzlebens 1837 wechselte der See mehrfach den Besitzer. So erwarb 1840 der Kunstgärtner Ferdinand Deppe die Besitzung und machte sie mit einer Rosenzucht zu einer besonderen Sehenswürdigkeit. Dennoch blieben die Parks öffentlich zugänglich. Im Jahr 1905 wurden vornehme Mietshäuser direkt am Ostufer des Lietzensees gebaut.. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurden unter der Leitung von Erwin Barth von 1918 bis 1920 neue Grünflächen um den Lietzensee im Jugendstil angelegt. Dazu gehörten die großen Kaskaden am Südende des Sees und die kleinen Kaskaden am Nordufer. Im Park stehen mehrere Denkmale und Skulpturen, u. a. seit 1925 das

Gefallenendenkmal des Königin-Elisabeth-Garde-Regiments Nr. 3 von Eugen Schmohl.

Für einen Spaziergang um den See zu umrunden bietet sich ein Start am U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz an. Wir folgen dem Kaiserdamm Richtung Westen und kommen schon wenige Meter weiter an den Witzlebenplatz. Hier biegen wir links zum Lietzensee ab und folgen rechts dem Uferweg. Nach einem Blick auf die kleine Kaskade (die schon Winterschlaf hält) kommen wir zur Unterführung der Neuen Kantstraße. Auf der anderen Seite ist der Blick frei auf den See und die feudalen Seegrundstücke. Der Weg führt vorbei an mächtigen Platanen, Tulpenbäumen und bunten Ahorn, bis wir am Ende des Sees am Derneburgplatz die großen Kaskaden erreichen. Oberhalb des Sees wird die Wassertechnik der Brunnenanlage anschaulich dargestellt.

Die Rückkehr müssen wir über die Suarezstraße und Kuno-Fischer-Straße fortsetzen, weil es keinen direkten Zugang zum Wasser mehr gibt. Erst am Lietzenseeufer kommen wir wieder an den See und können im Bootshaus eine Pause einlegen, bevor es zurück zur U-Bahn-Station geht. Quelle: Wikipedia, Bezirksamt Charlottenburg, Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

 

 

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