Stadtspaziergang in Spandau

Dort, wo sich Spree und Havel vereinigen, wurde einst Spandau als slawische Siedlung gegründet. Obwohl Spandau heute ein Bezirk im Land Berlin ist, rühmt sich die Stadt älter als Berlin zu sein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Spandauer gern von Berlin „bei“ Spandau sprechen.

Ein Besuch der „Festungsstadt“ ist allemal lohnenswert, hat sich der Bezirk doch noch seine Ursprünglichkeit erhalten. Unser heutiger, knapp 5 Kilometer langer, Stadtspaziergang beginnt am S-Bahnhof in Spandau, der mit der S5 von Berlin-Mitte gut zu erreichen ist.

Wir nehmen den Ausgang „Stabholzgarten“ und biegen rechts ab Richtung Havelufer. Am Ufer halten wir uns links und kommen zu den Schiffsanlegern der Ausflugsschiffe. Nach der Überquerung der Charlottenbrücke stehen wir vor dem jüdischen Mahnmal am Lindenufer, dort wo sich Havel und Spree vereinigen. Das Denkmal wurde 1989 errichtet und erinnert an die Spandauer Synagoge. Sie stand am Lindenufer/Ecke Kammerstraße und wurde in der Pogromnacht im November 1938 durch Brandstiftung zerstört. 2012 wurde das Mahnmal um eine Namensmauer ergänzt. Die eingefügten Namenssteine erinnern an die während der Naziherrschaft deportierten und ermordeten Spandauer Bürgerinnen und Bürger jüdischer Herkunft.

 

 

 

An der Straße „Am Juliusturm“ biegen wir rechts auf die Brücke und steuern die Zitadelle an. Die Spandauer Zitadelle ist eine der bedeutendsten Renaissancefestungen Europas und unbedingt sehenswert (eigener Bericht folgt). Hier lebt nicht nur die Geschichte, hier leben auch Fledermäuse. Das Berliner Artenschutzteam zeigt und erläutert in seinem Fledermausschauraum die vielfältigen Arten dieser nachtaktiven „Vögel“.

 

 

 

Wir setzen unseren Spaziergang fort, indem wir zurück über die Brücke wandern und schon wenige hundert Meter rechts die St. Marienkirche im ältesten Spandauer Stadtteil „Kolk“ sehen. Hier tauchen wir ein in das Flair vergangener Zeiten. Ein Hauch Mittelalter umgibt uns, wenn wir in Höhe der alten Stadtmauer an den Fachwerkhäusern entlangschlendern. Nach kurzer Rast im Brauhaus Spandau folgen wir dem „Hohen Steinweg“, überqueren die Straße „Am Juliusturm“ und laufen direkt auf die Carl-Schurz-Straße, die uns in die Altstadt Spandaus führt. Linker Hand ist gleich der Backstein-Turm der St. Nikolaikirche zu sehen, die zu den wenig erhaltenen mittelalterlichen Gotteshäusern Berlins zählt. Die dreischiffige gotische Hallenkirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Eine weitere Sehenswürdigkeit Spandaus ist das Gotische Haus in der Breiten Straße. Wir biegen hinter der Kirche in die Kirchgasse ein und laufen direkt auf das Haus zu, in dem heute die Touristeninformation und Ausstellungsräume untergebracht sind. Das historische Haus zählt zu den bedeutendsten Baudenkmalen im Berliner Raum.

Unser Stadtspaziergang geht nun langsam zu Ende. Wir bummeln noch über den Marktplatz und schlagen dann unseren Weg über die Carl-Schurz-Straße, die in den 80er Jahren zu einer Fußgängerzone umgestaltet wurde, Richtung Rathaus ein. Seit 100 Jahren zieht der mächtige, 80 Meter hohe Turm die Blicke an. Zur S- oder U-Bahn ist es dann nur noch ein „Katzensprung“, um die interessante Tour durch Spandaus Geschichte zu beenden. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

 

Nach oben