Diesmal führt uns unser Stadtspaziergang in den Berliner Bezirk Lichtenberg und dort in den gleichnamigen Ortsteil. Leider ist von Alt-Lichtenberg nicht mehr viel zu sehen. Das Ortsbild wird geprägt durch „Wohnsilos“ und Hochhäuser, in denen 41.000 Menschen leben. Der Loeperplatz, einst ein mittelalterlicher Dorfanger, sieht verlassen und trostlos aus. Lediglich die alte Dorfkirche erinnert an frühere Zeiten.

Doch bevor wir die Pfarrkirche besuchen, starten wir unsere Tour an der Tramhaltestelle der Linien M16 und M13 an der Kreuzung Landsberger Allee/Weißenseeer Weg, überqueren die Straße und tauchen zwischen zwei Hochhäusern in den Fennpfuhl-Park ein. Hinter dem Schilfgürtel des Fennpfuhl-Sees schwimmen Enten, immer auf der Suche nach Spaziergängern, die ihre Einkaufsbeutel mit Brotresten leeren. Dabei ist das Füttern von Enten und Schwänen absolut unnötig, da die Tiere genügt Futter in der Natur finden. Ganz im Gegenteil, mit dem Füttern werden nur Ratten großgezogen, die von den Futterresten gut leben.

Am Ende des Sees stoßen wir völlig unerwartet auf eine Jugendstil-Villa, die unter Bäumen versteckt, so gar nicht in dieses Umfeld passen will. Die im Jahre 1896 errichtete Fabrikantenvilla ist eine ganz besondere Location für Veranstaltungen. Wir lassen die Villa rechts liegen, überqueren die Straßenbahngleise und spazieren gegenüber durch die Grünanlage. Am Ende (vor dem Sportplatz) halten wir uns links, gehen durch den Häuserblock auf die Paul-Junius-Straße, in die wir rechts einbiegen. Am maroden Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium vorbei, überqueren wir die Storkower Straße und biegen links in die Scheffelstraße ein. Drei Straßenblöcke weiter stehen wir am Loeperplatz, der rechts und links von der viel befahrenen Möllendorffstraße eingerahmt wird.

Hier ist die Keimzelle von Alt-Lichtenberg, das 1288 urkundlich erwähnt wurde. Das Dorf blieb über viele Jahrhunderte eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Siedlung mit wenigen hundert Einwohnern. Zeugnis davon ist der alte Gutspark, schräg hinter der Pfarrkirche. General Wichard von Möllendorff hatte 1798 ein etwa drei Morgen großes Areal im Dorf Lichtenberg erworben, auf welchem er sich ein schlossartiges Landhaus bauen und einen dazugehörigen Gutspark anlegen ließ. Erst Ende des 19. Jahrhunderts stieg durch die Industrialisierung die Einwohnerzahl Lichtenbergs um ein Vielfaches, sodass der Ortschaft 1907 das Stadtrecht verliehen wurde. Durch die Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde die Stadt jedoch nach Berlin eingemeindet.

Die Pfarrkirche ist ein frühgotischer rechteckiger Feldsteinbau, der in seiner Geschichte mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde. Die Kirche ist sehr schlicht eingerichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Auf unserem Spaziergang laufen wir wieder zurück an der Möllendorffstraße entlang bis zur Kielblockstraße, in die wir rechts einbiegen. Ein paar Schritte weiter ist der Autolärm verstummt und wir stehen im großzügig angelegten Stadtpark von Lichtenberg. Am Parkteich herrscht reges Treiben. Neben schnatternden Enten, holt sich gerade ein Reiher sein Mittagsmahl aus dem Teich. Der Stadtpark Lichtenberg ist eine 5 Hektar große Grünanlage, die ab 1907 angelegt und mehrfach umgestaltet wurde. General von Möllendorff hatte ursprünglich das Grundstück erworben und mit seltenen Hölzern bepflanzt. Der heutige Park ist für seine Anlieger ein Freizeit-Paradies, mit kleiner Freilichtbühne, Sportanlagen, Kunstobjekten und altem Baumbestand.

Wir verlassen den Park am Theater an der Parkaue und stehen nach wenigen Metern wieder auf der Möllendorffstraße. Sofort fällt unser Blick auf das Rathaus Lichtenberg, das als Amtssitz der ehemaligen Gemeinde Lichtenberg von 1896 bis 1898 in Backsteingotik erbaut wurde. In den vergangenen 100 Jahren sind Teile des Rathauses saniert und umgebaut worden. Trotz dieser Maßnahmen ist die aufwändige Innengestaltung und der besondere Charme des Gebäudes erhalten geblieben. Das Rathaus steht unter Denkmalschutz und ist Sitz des Bezirksamts von Lichtenberg. Hier endet nach zirka 4 Kilometer der Stadtspaziergang durch die Geschichte Lichtenbergs, denn an der Frankfurter Allee sind die Tram, sowie S- und U-Bahn gut zu erreichen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Fotos von oben nach unten: Kunst im Fennpfuhlpark, Die Jugendstil-Villa, die Dorfkirche von Alt-Lichtenberg, der Fischreiher auf Futtersuche im Volkspark, das Rathaus Lichtenberg.

 

 

 

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