Ost-Berliner Behörden sprengten die „Gnadenkirche“

Im Invalidenpark im Berliner Ortsteil Mitte stand einst die Kaiserin-Augusta-Gedächtnis-Kirche oder auch „Gnadenkirche“ genannt. Den Namen verdankt das evangelische Gotteshaus, das 1890 kurz nach dem Tod der Kaiserin gebaut wurde, aus der kostenlosen Überlassung des Baugrundstücks im Park durch das Deutsche Reich an den Staat Preußen und ein Gnadengeschenk des Kaiserhauses von 300.000 Mark.

Leider war der Kirche die Gnade nicht für immer gegönnt. In der Nachkriegszeit raubten Plünderer die Inneneinrichtung und bauten wertvolle Materialien aus, darunter die Bleiglasfenster. Zu einer Reparatur durch die Gemeinde kam es nicht und die Ost-Berliner Behörden unternahmen nichts, um den beginnenden Verfall aufzuhalten. Nachdem Buntmetalldiebe gegen Ende der 1940er Jahre auch die Kupferdächer der Kirche abgedeckt hatten, verfiel ihr Mauerwerk, das nun der Witterung ungeschützt preisgegeben war. Die Ruine der Gnadenkirche wurde 1967 gesprengt.

Die drei Glocken der Gnadenkirche hatte ein Bochumer Verein im Gussstahlverfahren hergestellt. Sie galten wegen ihres ungewöhnlich klaren Klanges als Sensation. Die mittlere Glocke wurde 1893 sogar auf der Weltausstellung in Chicago gezeigt. Bei der Sprengung der Kirche im Jahre 1967 blieb sie als einzige erhalten, sollte aber mit Einverständnis des Gemeinderats verschrottet werden. Auf einem Schrottplatz in Berlin-Weißensee entdeckte sie der Pfarrer von Malchow, erwarb sie als privater Käufer und bewahrte sie auf seinem Grundstück auf. Als er 1979 nach Stadtilm in Thüringen versetzt wurde, nahm er sie mit. Zur Jahreswende 1989/1990 kaufte die Gemeinde Wattenscheid-Leithe sie ihm ab, ließ sie restaurieren und stellte sie wieder in den Dienst.

Im Februar 2011 kam die Auguste-Viktoria-Glocke wieder nach Berlin zurück. Seither befindet sich die auf dem Invalidenfriedhof und konnte, nach dem Bau eines Glockenturmes, am 28. Juni 2013 das erste Mal wieder erklingen. Quelle: Wikipedia, Text und Foto: Klaus Tolkmitt

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