Unter den vielen Berliner Eventlocations hat das TEMPODROM auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs am Askanischen Platz einen ganz besonderen klangvollen Namen. Unter dem spektakulären, 35 Meter hohen Dach können bis zu 3.500 Besucher unvergessliche Konzert- oder Showmomente erleben.

Das Dach ist angelehnt an die Form einen Zirkuszelts, erinnert aber auch an die Kathedrale von Brasília. Kernstück des Gebäudes ist die Große Arena, die wie ein modernes Amphitheater gebaut ist. Feierlich eröffnet wurde das Tempodrom mit der Verleihung des Europäischen Filmpreises am 1. Dezember 2001.

Die bewegende Geschichte dieser Multifunktions-Arena beginnt aber schon viel früher. Die ehemalige Krankenschwester Irene Moessinger verwirklichte sich 1980 einen Lebenstraum, indem sie Mittel einer Erbschaft in ein Zirkuszelt investierte. Sie wollte eine alternative Spielstätte auf der Westseite des Potsdamer Platzes in direkter Nachbarschaft der damaligen Berliner Mauer errichten. Bereits nach einem Jahr schien der Traum am Ende, nur durch eine Finanzhilfe des Berliner Senats konnte der Betrieb weitergehen. 1985 zog das Zelt vom Potsdamer Platz in die Nähe der Kongresshalle im Tiergarten um. Die Veranstaltungen und Konzerte fanden in dieser Zeit unter dem Motto „umsonst und draußen“ statt.

Nach der Wende wurde in direkter Nachbarschaft das Bundeskanzleramt errichtet und das Tempodrom musste wieder umziehen, weil Bundeskanzler Kohl die Spielstätte und seine Besucher als ein Sicherheitsrisiko ansah. Jetzt sollte ein Neubau die Zeltversion ablösen. Doch bis zur Fertigstellung 2001 am Anhalter Bahnhof eröffnete 1998 das Veranstaltungszelt noch einmal am Postbahnhof in Friedrichshain seine Pforten. Die neue Arena, mit privaten Spenden und staatlichen Zuschüssen finanziert, galt mit der visionären Architektur als zukunftsweisend in der Ästhetik und Ökologie. Sie setzt besondere Akzente unter den Eventlocations und verleiht jeder Veranstaltung eine individuelle, einzigartige Note und eine kaum zu übertreffende Vielfalt an Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Ein multifunktionales Raumkonzept schafft ideale Voraussetzungen für Veranstaltungen von 50 bis 3.500 Gästen.

Doch über den Traum von Irene Moessinger legte sich noch einmal ein dunkler Schleier. Die geplanten Baukosten von 16 Millionen Euro für das neue Tempodrom verdoppelten sich. Im August 2005 musste durch einen Insolvenzverwalter eine Unternehmensberatungsgesellschaft eingesetzt werden und Irene Moessinger zog sich zurück. Die drohende Zwangsversteigerung konnte 2010 abgewendet werden, nachdem die Bremer KPS-Gruppe das Tempodrom übernahm. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt, Manfred Brückels (Foto).

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