Verkehrsader und grüne Lunge im Süden Berlins

Im Süden Berlins, direkt an der Landesgrenze zu Brandenburg und den Kreisen Teltow-Fläming und Dahme Spreewald liegt Lichtenrade. Stadtteil vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg und Heimat von Persönlichkeiten wie Schauspieler Georg Thomalla, Berlins ehemaligem Bürgermeister Klaus Wowereit und Journalist Lothar Loewe.

Knapp 50.000 Einwohner leben heute in dem eher beschaulichen Stadtteil, mit einer modernen Hochhaussiedlung, aber auch einem alten Ortskern mit Dorfteich und Kirche. Das Dorf Lichtenrade wurde wohl um 1230 gegründet (urkundlich erwähnt 1375) und erhielt sehr wahrscheinlich zunächst eine hölzerne Kirche. Sie wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch eine schlichte Saalkirche ersetzt.

Nach der Eingemeindung der Teltower Landgemeinde 1920 nach Groß-Berlin wurden die Ackerflächen nach und nach mit Einfamilienhäusern bebaut. Voraussetzung dafür war der Bau der Dresdener Bahn, die 1883 einen Haltepunkt in Lichtenrade erhielt. Als Verbindung zwischen Dorf und Haltepunkt wurde die Bahnhofstraße angelegt, die bis heute das Einkaufszentrum von Lichtenrade ist.

Örtliche Bürgerinitiativen sorgten dafür, dass 1979 der Volkspark angelegt wurde, der die grüne „Lunge“ Lichtenrades wurde. Nach der Grenzöffnung 1989 hat sich die Lebensqualität der Lichtenrader noch weiter erhöht. Der ehemalige Mauerstreifen ist inzwischen ein grünes Band geworden und lädt Spaziergänger und Radfahrer gleichermaßen ein, die Natur zu genießen. Doch alles hat zwei Seiten. Natur pur gibt es nicht zum Nulltarif. Die Anwohner an der B 96 haben das erhöhte Verkehrsaufkommen nach der Wende zu verkraften, denn die Verkehrsader zieht sich quer durch den Stadtteil.

Zu den imposantesten Gebäuden in Lichtenrade zählt zweifelsfrei die 1897 errichtete Mälzerei in der Steinstraße, nahe dem S-Bahnhof Lichtenrade. Hier wurde in einem damals modernen Verfahren Malz zum Bierbrauen hergestellt. Seit 1984 steht das Gebäude, in dem zwischenzeitlich die deutsche Wehrmacht das Haupthaus im Jahr 1933 beschlagnahmte und bis 1945 als Lebensmittellager nutzte, sowie in der Zeit des Kalten Krieges West-Berlin hier seine Lebensmittelreserve lagerte, unter Denkmalschutz. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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