Stadtspaziergang zwischen Baudenkmälern und „Handtuchhaus“

Direkt am Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg liegt idyllisch, mit schattenspendenden hohen Bäumen gesegnet, der Adenauerplatz. Bei unserem Kiezspaziergang im Februar hatte sich der Namensgeber allerdings mit Sperrholzplatten in „Watte“ gehüllt. Der 1,85 Meter hohen Bronzestatue, von Helga Tiemann 2005 geschaffen, war es wohl zu kalt. Dabei steht Adenauer im Sommer wie auch im Winter mit wehendem Mantel auf dem Platz.

Wir starten unseren Spaziergang rund um den Platz des ehemaligen Bundeskanzlers an der U-Bahn-Station der U7 auf der Wilmersdorfer Straße in südlicher Richtung. Ca. 200 Meter hinter der Mommsenstraße biegen wir am Hindemithplatz halblinks in die Giesebrechtstraße ein. Auffallend ist der St. Georg-Brunnen, der allerdings nur im Sommerhalbjahr wasserspeiend zum Verweilen einlädt. Die Giesebrechtstraße verdankt ihren Namen dem Historiker Wilhelm von Giesebrecht (1814-1889) und entwickelte sich zu einem Wohnort für das gehobene Bürgertum. Besonders hoch war der Anteil an jüdischen Bewohnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Die Giesebrechtstraße ist die erste Straße in Berlin, in der alle früheren jüdischen Bewohner, die von den Nazis ermordet wurden, mit „Stolpersteinen“ geehrt werden. Aus den 22 Häusern der 355 Meter langen Straße wurden von 1941 bis 1943 insgesamt 116 jüdische Männer, Frauen und Kinder in Konzentrationslager verschleppt. Die Gebäude 5-8 und 13-15 entstanden zwischen 1904 und 1908 und sind heute ein denkmalrechtlich geschütztes „Ensemble“. Die Gebäude Nummer 3, 6 und 20 sind als Baudenkmale in der Berliner Denkmalliste verzeichnet.

Die angenehme Wohngegend lockte oder lockt bekannte Persönlichkeiten an. So wohnten der Operettenkomponist Eduard Künneke und seine Tochter im Evelyn Künneke im Haus Nummer 5. Paul von Hase, 1940–1944 Stadtkommandant von Berlin und Widerstandskämpfer wohnte in Nummer 17. Am Haus Nummer 18 hängt eine Gedenktafel für Grethe Weiser, die hier von 1954 bis 1970 wohnte. Ebenso war hier Schauspieler Hubert von Meyerinck zu Hause, dem in der Mitte der Giesebrechtstraße ein kleiner Platz gewidmet wurde.

Am Kurfürstendamm biegen wir rechts ein und sind ein paar Schritte weiter am Adenauerplatz. Wir überqueren die breite Lewishamstraße und stehen an der Ecke Kurfürstendamm 70 direkt vor dem schmalsten Bürohaus Berlins. Das sogenannte „Handtuchhaus“ ist gerade 2,50 Meter breit. Mieter sind überwiegend Anwaltskanzleien. Vorbei an exklusiven Geschäften erreichen wir den Lehniner Platz und biegen in die Damaschkestraße ein. Bevor wir ein Stück weiter links in die Nestorstraße einschwenken, um wieder auf den Kudamm zu gelangen, machen wir ein paar Schritte in die Roscherstraße hinein. Im Haus Nummer 7 befindet sich das Zaubertheater von Igor Jedlin, der hier freitags bis sonntags mit seiner Zaubershow auftritt. Ein paar Häuser weiter in Nummer 16 lebte Erich Kästner.

Am Kurfürstendamm gehen wir wieder zurück Richtung Adenauerplatz und halten am Lehniner Platz noch einmal inne. Hier im denkmalgeschützten Mendelsohn-Bau ist die Schaubühne beheimatet. Der markante Rundbau des Architekten Erich Mendelsohn ist ein Teil des WOGA-Komplexes am Lehniner Platz. Das Gebäude wurde 1928 als größtes Kino Berlins eröffnet („Universum“). Im Zweiten Weltkrieg zerstört, nach dem Krieg neu aufgebaut und erneut als Kino und ab 1969 als Tanzlokal und Musicaltheater genutzt, wurde es schließlich 1979 unter Denkmalschutz gestellt. Von 1978 bis 1981 entstand ein multifunktionales Theatergebäude, dessen technische Ausstattung damals dem höchsten Standard entsprach. Der Innenraum ist flexibel aufteilbar, die konventionelle Trennung zwischen festem Zuschauerbereich und Bühne ist aufgehoben.

Obwohl an der nächsten Ecke weitere Highlights warten, soll an dieser Stelle der kleine Stadtrundgang nach knapp drei Kilometern beendet werden. Quelle: Wikipedia, Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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