Die Geschichte vom Hühnerdieb

Der Berliner Bildhauer Hermann Joachim Pagels stellte 1913 auf der Großen Berliner Kunstausstellung seine Bronzeskulptur vom Hühnerdieb als Brunnendenkmal vor. Das Ausstellungstück gefiel dem damaligen Oberbürgermeister von Aachen Philipp Veltman, der auf der Ausstellung weilte so sehr, dass es bereits kurze Zeit später am Morgen des Weihnachtstages zur großen Überraschung der Aachener Bevölkerung auf dem Hühnermarkt enthüllt wurde.

Die Aachener haben nun ihre eigene Geschichte zu der Brunnenfigur: Abgemagert und mit knurrendem Magen schleicht sich nachts ein Mann in einen Hühnerstall, um sich einen saftigen „Braten“ zu ergaunern. Um die schlafenden Hühner nicht zu erschrecken und nicht entdeckt zu werden, verzichtet der Dieb auf eine Lampe. Schnell greift er zu und steckt das vermeintliche Huhn in einen Sack, nur der Kopf schaut noch heraus. Dann beginnt auch schon das Gezeter, denn bei genauem Hinsehen erkennt nun jeder, dass es sich hier um einen richtig laut schreienden Hahn handelt. So wird natürlich auch der Bauer wach und schnappt sich den verhinderten Hühnerdieb. Nach einer Tracht Prügel darf er gehen und der Hahn darf zu seinen Hühnern zurück.

Die Figur zeigt den Augenblick, in dem der Dieb erstaunt feststellt, statt des Huhnes einen Hahn gestohlen zu haben, der kräht und ihn so verrät. Im Zweiten Weltkrieg musste 1943 die Figur als Metallspende abgegeben werden. Sie wurde eingeschmolzen, um das in der kriegsgeschwächten Wirtschaft rare Material zu gewinnen. Weil der damals 72-jährige Pagels jedoch noch das Gipsmodell der Originalfigur besaß, konnte er 1950 einen weiteren Guss der Brunnenfigur fertigen, der unterstützt durch Spenden von der Stadt Aachen erworben wurde. Der Brunnen konnte 1953 wieder erstellt und an alter Stelle feierlich eingeweiht werden.

Es existieren noch zwei weitere Güsse des Hühnerdiebes. Der eine steht im Schlosspark von Berlin – Köpenick, der andere in der Sammlung des Behnhauses in Lübeck. Darüber hinaus gab es eine ca. 27 cm hohe Porzellan-Figur, gefertigt von der Porzellanmanufaktur Allach. Quelle: Wikipedia, Text und Foto: Klaus Tolkmitt, Bild: Der Hühnerdieb im Garten von Schloß Köpenick

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