In dem Kaufhaus für „kleine“ Leute wohnt heute der Jet-Set

Der wuchtig wirkende Bau an der Ecke Torstraße /Prenzlauer Allee im Berliner Bezirk Pankow im Ortsteil Prenzlauer Berg hat eine lange Geschichte und ist heute die Bleibe für Stars wie Madonna oder George Clooney. Im denkmalgeschützten Gebäude ist heute der Jetset-Club Soho House ansässig. Nur wenige Teile sind öffentlich zugänglich.

Nachdem das Gebäude 1828 fertiggestellt war, zog das Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 in das Exerzierhaus ein. Aufstieg und Fall des heute denkmalgeschützten Hauses begann aber erst Anfang 1920, als ein Kaufhausbetreiber die Immobilie erwarb und das jüdische Kredit-Kaufhaus Jonas eröffnete. Der Name verkündet das damals bahnbrechende Konzept: Kunden zahlten ein Viertel des Kaufpreises, erhielten dafür einen Kaufschein und konnten den Rest in vier Monatsraten abzahlen. Die Möglichkeit des Ratenkaufs kam vor allem der finanziell schwachen Bevölkerung im nahe gelegenen Scheunenviertel und den Mietskasernen an der Prenzlauer Allee entgegen. In den Jahren als Kaufhaus der „kleinen“ Leute gab es aber schon 15.000 Quadratmeter Nutzfläche auf sieben Etagen und ein Dachrestaurant mit Blick über Berlin.

Als 1933 die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) an die Macht kam, wurden die jüdischen Besitzer von ihren Teilhabern enteignet. Das leerstehende Gebäude wurde zunächst an die Leitung der Reichsjugendführung vermietet, 1942 schließlich an die NSDAP verkauft. Während des Zweiten Weltkriegs diente es als Hauptsitz der Reichsjugendführung. Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte auch das Ende dieses Kapitels in der Geschichte des Gebäudes. Ein neues begann, als die Alliierten 1945 die Kontrolle des Sektors Ost-Berlin an die Sowjetunion übergaben. Das Haus in der Torstraße 1 wurde zum Sitz des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Ende der Fünfziger Jahre zog das ZK in ein anderes Gebäude um. Von nun an beherbergte das Haus das Institut für Marxismus-Leninismus. Die großzügigen Gewölbe fungierten als Parteiarchiv.

Nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 erhielten die Nachkommen der ursprünglichen jüdischen Besitzer das Haus zurück. Dann stand das Gebäude fast zehn Jahre lang leer. 2007 erwarb eine deutsch-britische Investorengruppe den Komplex für neun Millionen Euro. Die neuen Eigentümer veranlassten eine denkmalgerechte Sanierung. 30 Millionen Euro kostete die Einrichtung des seit 2010 nach internationalen Vorbildern funktionierenden Projektes einer gehobenen Wohn- und Arbeitsstätte für den Jetset. Die Clubmitgliedschaft ist Voraussetzung für die Nutzung des Soho House mit integriertem Fitnessstudio und einem eigenen Kino. Quelle: Berliner Zeitung, Wikipedia, Text und Fotos: Klaus Tolkmi

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