Ein Kleinod der Moderne

Direkt am beschaulichen Obersee in einer Villengegend im Berliner Ortsteil Hohenschönhausen befindet sich an der Oberseestraße ein Wohnhaus im Bauhausstil. Es ist das letzte von van der Rohe entworfene Wohnhaus in Deutschland vor seiner Emigration 1938 in die USA.

Das Haus entstand Anfang der 1930er Jahre unter dem Namen Villa Lemke. Mies van der Rohe zählt neben Le Corbusier, Frank Lloyd Wright und Walter Gropius zu den wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Baukunst gilt dem Ausdruck konstruktiver Logik und räumlicher Freiheit in klassischer Form. Dafür entwickelte er moderne Tragstrukturen aus Stahl, die eine hohe Variabilität der Nutzflächen und eine großflächige Verglasung der Fassaden ermöglichten. Dieses Konzept war so rational und universal, dass es auf viele zeitgenössische Architekten einen außerordentlich großen Einfluss ausübte und bis heute, den technischen Innovationen entsprechend, immer weiterentwickelt wurde. Berühmt wurde er auch als Vertreter des Minimalismus in der Architektur, ausgedrückt durch die Formel „Weniger ist mehr“.

Die Arbeiten für das Haus begannen 1932, nachdem das Fabrikantenehepaar Martha und Karl Lemke das Doppelgrundstück mit Zugang zum See gekauft hatten. Die Kosten beliefen sich auf 16.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 61.000 Euro). Im Frühjahr 1933 konnten die Lemkes ihr Haus beziehen. Der L-förmige Bau ist schlicht und bescheiden und die Fassade besteht aus rotbunten kohlegebrannten Mauerziegeln, die zusammen mit dem Flachdach das Haus eigenwillig aussehen lassen. Auch das Inventar stammt zum Teil aus dem Atelier Mies van der Rohes oder wurde von seiner Partnerin Lilly Reich entworfen.

Das Ehepaar Lemke wohnte allerdings nur wenige Jahre in ihrer Villa. Im Mai 1945, nach der Einnahme Alt-Hohenschönhausens durch die Rote Armee, wurde die Familie aufgefordert, das Haus zu verlassen. Die umliegende Gegend wurde zum Sperrgebiet erklärt und die Villa Lemke als Garage und Abstelllager benutzt. Zu DDR-Zeiten diente das schöne Anwesen als Kantine für Stasimitarbeiter und verfiel zusehends. 1977 setzte es der Magistrat von Berlin auf die Bezirksdenkmalliste. Nach dem Ende der DDR konnte es umfassend saniert werden. Heute befindet sich im van der Rohe Haus eine Galerie für moderne Kunst. Der restaurierte moderne Garten am Seeufer ist eine beliebte Erholungsstätte. Quelle: Wikipedia, Mies van der Rohe Haus, Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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