Der Berliner Nordbahnhof an der Invalidenstraße in Berlin-Mitte, einst einer der großen Kopfbahnhöfe in der Stadt, hieß bis 1950 Stettiner Bahnhof. Heute existiert neben einem Gebäuderest nur noch der unterirdische S-Bahnhof der Nord-Süd-Strecke.

Ab 1842 fuhren von hier die Züge der Stettiner Bahn in Richtung Bernau, Eberswalde, Angermünde, Stettin und in den Folgejahren darüber hinaus ab 1863 mit der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn nach Pommern. 1878 ging die Berliner Nordbahn über Oranienburg, Neustrelitz und Neubrandenburg nach Stralsund in Betrieb, die im Personenverkehr ebenfalls den Stettiner Bahnhof nutzte. Wegen der großen Auslastung wurde der Bahnhof relativ schnell erweitert. Ende 1876 konnte ein Bahnhofsneubau seiner Bestimmung übergeben werden. 1903 folgte eine Erweiterung des Bahnhofsgebäudes für den Fernverkehr. 1914 verkehrten vom Stettiner Bahnhof in Berlin Schnellzüge im Fernverkehr nach Stralsund, Danzig über Stettin und Rostock. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Fernbahnhof erheblich beschädigt.

Weil nach der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze der Name zu der nun in Polen liegenden Hafenstadt Stettin vermieden werden sollte, benannte die DDR-Führung den Bahnhof 1950 in Nordbahnhof um. Zwei Jahre später wurde der Fernbahnhof geschlossen, sowohl wegen der Kriegszerstörungen als auch wegen der geografischen Lage. Die Strecke führte vom Bahnhof zuerst über den West-Berliner Bahnhof Gesundbrunnen, bevor an der Grenze zwischen Wedding und Pankow wieder das Ost-Berliner Stadtgebiet erreicht wurde. Drei Jahre später entschied man sich für die Beseitigung des Gebäudes. Die Abrissarbeiten wurden 1962 abgeschlossen.

Nach dem Bau des Nord-Süd-Tunnels wurde der neue S-Bahnhof östlich neben dem Fernbahnhof erbaut. Er erhielt ein eigenes Empfangsgebäude an der Invalidenstraße. Ein weiterer Zugang entstand an der Gartenstraße. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, wurde der Betrieb eingestellt. Infolge der Sprengung des Nord-Süd-Tunnels am Landwehrkanal stand auch die S-Bahn-Station Nordbahnhof unter Wasser. Der Tunnelbahnhof war während des Bestehens der Berliner Mauer für den Personenverkehr gesperrt und wurde zu einem sogenannten „Geisterbahnhof“, den die Züge ohne Halt durchfuhren.

Nach der Wiedervereinigung musste der Nord-Süd-Tunnel aufgrund umfangreicher Sanierungsmaßnahmen geschlossen werden. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit konnten der Tunnel und der unterirdische Nordbahnhof am 1. März 1992 wieder eröffnet werden. Der Bahnhof wurde denkmalgerecht saniert und erweitert und im Zusammenhang mit der Neuanlage einer Straßenbahnhaltestelle wurde 2006 auch der Bahnhofsvorplatz neu gestaltet. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt Quelle: Wikipedia.

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