Radtour durch das Tegeler Fließ

Auf unserer heutigen Tour kommen wir durch eine der schönsten Naturlandschaften Berlins. Auf Berliner Gebiet verläuft das Tegeler Fließ vom Tegeler See bis Lübars und ist etwa 10 Kilometer lang.

Wir starten am S-Bahnhof Tegel und biegen rechts auf die Buddestraße. Nachdem wir uns auf den ersten 400 Metern noch durch den Verkehr „gewühlt“ haben, wird es danach ruhiger und grüner. Am Waidmannsluster Damm unterqueren wir die A 111, wechseln an der Ampel auf die andere Straßenseite und folgen der Wegbeschilderung links (Barnimer Dörferweg bzw. der Nr.13) in die Grünanlage hinein. Die Schilder werden uns auf der gesamten Strecke begleiten und dienen als nützliche Hinweise. Trotzdem ist eine Wander- oder Radfahrkarte aus dem Gebiet zu empfehlen.

Schon auf den ersten Kilometern ist die urwüchsige Bachlandschaft ein kleines Paradies, in dem sich Pflanzen und Tiere wohlfühlen, aber auch für die Menschen die Hektik der Großstadt nicht mehr zu spüren ist.

Es lohnt schon ein erster Halt an der Titusbrücke und später am Egidysteg, um der Natur zu lauschen. Je nach Jahreszeit kommt man an Brutplätzen vorbei und kann seltene Blumen und Biotope bewundern.

Der Weg führt mal direkt am Bachlauf entlang, dann mal wieder weiter weg durch Wald und Wiesen. Allerdings sollten grundsätzlich die Hinweise beachtet werden, die Wege nicht zu verlassen.

Nachdem wir am Egidysteg das Fließ überquert haben, halten wir uns links, um dann rechts auf die Mühlenfeldstraße einzubiegen. Schon nach wenigen Metern verlassen wir die ruhige Straße schon wieder und rollen rechts in das Fließtal hinein. Nach einem weiteren Kilometer überqueren wir die Artemisstraße, fahren durch das Viadukt der S-Bahn und kommen an den Oraniendamm (B96). Auf der anderen Straßenseite halten wir uns links, überqueren die Brücke, um dann gleich wieder rechts dem Fließweg weiter zu folgen. An der nächsten Brücke überqueren wir das Fließ wieder und biegen gleich links ein. Wenige Minuten später erreichen wir den Hermsdorfer See. Im Sommer lohnt sich ein Abstecher zum Strandbad Lübars, im Ziegeleisee lässt sich herrlich baden.

Wir überqueren die Straße „Am Freibad“ und  radeln weiter bis zur nächsten Weggabelung. Jetzt heißt es runter vom Rad und linker Hand zu Fuß über den Holzsteg weiter. Der Eichwerdersteg, ein 150 Meter langer Bohlensteg, führt uns direkt durch die Flussaue. Viele kleine Hinweistafeln am Naturlehrpfad geben Informationen. Hier erfahren wir auch, wie das Fließ entstanden ist.

Nach der Weichseleiszeit bedeckten die Eismassen das gesamte Gebiet bis über Berlin hinaus und formten typische Landschaften wie das Urstromtal. Die abfließenden Schmelzwasser strömten aus dem Norden in das Berliner Tal hinein. Dabei entwickelte sich unter anderem auch das heutige Tegeler Fließ zu einem ausgeprägten Flusslauf, der sich ein breites und mit Kieseln ausgelegtes Bett erarbeitete. Bei Schildow hat sich darüber hinaus ein Hangmoor ausgebildet, das bis heute von einem ausgeprägten Schilfgürtel gesäumt ist.

 

Wenn wir das Moor verlassen haben sind wir in Brandenburg. In der kleinen Siedlung Schildow biegen wir von der Veltheimstraße rechts auf die Alte Schildower Straße, in deren Verlauf wir hinter der Eichhornstraße auf den Rad- und Wanderweg wechseln. Wir folgen der Wiesenstraße, durchqueren eine Sand- und Heidelandschaft und gelangen schließlich an den Köppchensee. Mit etwas Glück kann man hier Fischotter beobachten. Nach einem kleinen Anstieg biegen wir an der ersten Wegkreuzung rechts ab Richtung Lübars. Nachdem wir die Feldmark hinter uns gelassen haben, sind wir in Berlins kleinstem Dorf, in „Lübars“. Das 1247 erstmals urkundlich erwähnte Dorf hat schon im Mittelalter eine Dorfkirche aus Holz oder aus Fachwerk gehabt. Der Nachfolgebau der evangelischen Dorfkirche, eine einfache Saalkirche mit vorgesetztem quadratischen Turm, weist noch alle stilistischen Merkmale des Barock in preußisch-strenger Ausprägung auf. Sie wurde von 1791 bis 1794 auf den Grundmauern der 1790 bei einem Großfeuer abgebrannten Fachwerkkirche aus Stein errichtet.

In Lübars endet unsere Radtour durch das Tegeler Fließ. Nach einer Stärkung im Dorfkrug oder im Biergarten der Landschlachterei fahren wir über den Zabel-Krüger-Damm bis zum S-Bahnhof Waidmannslust, um den Heimweg anzutreten.

Das Tegeler Fließ bietet sich natürlich auch als Wanderung an. Man braucht dann allerdings mit Rast und Beobachtungspausen nicht zweieinhalb Stunden, wie mit dem Rad, sondern sicher doppelt so lang. Es lohnt sich aber allemal, diese Naturlandschaft zu erleben und zu genießen. Text und Fotos Klaus Tolkmitt

Fotos von oben nach unten: 1+2 Im Fließtal, der Hermsdorfer See und die Dorfkirche in Lübars.

 

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