Wir starten unsere Radtour am Kronprinzessinnenweg am S-Bahnhof Wannsee und biegen rechts ein in die Königstraße (B1), überqueren die Brücke und biegen nach weiteren 100 Metern rechts in die Straße „Am Großen Wannsee“ ein. Von nun an wird es ruhiger und beschaulicher und von der hecktischen Großstadt ist nichts mehr zu spüren.

Vorbei an Villen, Ruder- und Yachtclubs lassen wir auf der Einbahnstraße unser Rad bis zur Colmierstraße rollen, um einen Blick in den Garten und das Sommerhaus des Malers Max Liebermann zu werfen. Keine 400 Meter weiter machen wir am „Haus der Wannseekonferenz“ den nächsten Halt. An diesem geschichtsträchtigen Ort wird eine Dauerausstellung über den Völkermord an den europäischen Juden gezeigt.

Keine zwei Minuten entfernt biegen wir nun von der Straße rechts ab in einen schmalen Weg, der uns auf ein Aussichtsplateau bringt. Wir genießen den Blick über das Wasser und ruhen uns ein wenig aus unter dem Denkmal des „Flensburger Löwen“. Die restaurierte Zinkkopie  erinnert an den Sieg der königlich-dänischen Truppen über die deutschen Schleswig-Holsteiner in der Schlacht bei Idstedt.

Nach weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen und dem deutschen Sieg im Krieg von 1864 – mit der Abtretung des Herzogtums Schleswig an Preußen – wurde das Original von Flensburg nach Berlin verbracht. Inzwischen steht die spätklassizistische Plastik wieder an ihrem ursprünglichen Standort in Flensburg.

Auf der Uferpromenade, mit dem Wald zur Linken und dem Wannsee und der Havel zur Rechten, radeln wir gemütlich bis zum Bootsanleger der Pfaueninsel. Hier kann man sich ohne Rad mit der Fähre übersetzen lassen, im nahen Biergarten eine Pause einlegen, oder die Tour fortführen.

 

Nächster Halt ist die Glienicker Brücke, ebenfalls ein geschichtsträchtiger Ort. Weltweit bekannt wurde die Brücke durch die drei spektakulär inszenierten Agentenaustausche zwischen 1962 und Februar 1986. Heute verbindet die Brücke über die Havel den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf und die Brandenburgische Hauptstadt Potsdam.

Nach dem Studium der Informationstafeln biegen wir hinter der Brücke auf Potsdamer Gebiet rechts ein und folgen der „Schwanenallee“ bis in den „Neuen Garten“. Die großzügige gepflegte Parkanlage darf man (wenn man auf den Wegen bleibt) mit dem Fahrrad durchfahren.

 

 

 

Wir kommen vorbei an Schloss Cecilienhof, das Kaiser Wilhelm II von 1913 bis 1917 für seinen älteren Sohn Kronprinz Wilhelm und seiner Gemahlin Cicilie errichten ließ. Berühmt wurde der Holz-Backsteinbau allerdings als Tagungsort der „Potsdamer Konferenz“.

Hier saßen und verhandelten die Staats- und Regierungschefs der alliierten Siegermächte Truman (USA), Churchill, beziehungsweise Clement Attlee (Großbritannien) und Stalin (UdSSR) über Deutschland. Während der Konferenz gab hier Präsident Truman telefonisch den Befehl zum Atombombenabwurf über Hiroshima.

1990 wurde Schloss Cecilienhof mit den Schlössern und Parks von Potsdam-Sanssouci als Weltkulturerbe unter den Schutz der UNESCO gestellt. Das Schloss und die Anlage kann besichtigt werden.

 

 

Radeln wir bis zur Spitze des Neuen Gartens weiter kommen wir zur „Meierei“. Heute ein beliebter Ausflugstipp mit eigener Gasthausbrauerei, Fähranleger und herrlichem Blick über den Jungfernsee.

Wir durchqueren den Garten nun in südlicher Richtung, kommen am Marmorpalais und der Orangerie vorbei und verlassen die Anlage an der Alleestraße. Hier lohnt ein Abstecher in die Siedlung Alexandrowka. Diese russische Kolonie entstand 1827 als Heim für die russischen Sänger des ersten preußischen Garderegiments. Damals zog eine preußisch-russische Allianz in den Krieg gegen Napoleon.

Anschließend fahren wir auf der Friedrich-Ebert-Straße am Rathaus vorbei durch das Nauener Tor in die Potsdamer Innenstadt, am neuen Schloss vorbei, über die Lange Brücke bis zum Hauptbahnhof, wo wir die Radtour beenden.

Die Hauptstadt Brandenburgs hält so viele Highlights bereit, dass eine weitere Tour erforderlich ist, um alle Sehenswürdigkeiten kennenzulernen

Die oben beschriebene Route ist zirka 20 Kilometer lang, doch sollten schon drei oder vier Stunden eingeplant werden, um die vielfältigen Haltepunkte in Ruhe zu erkunden und die herrliche Landschaft zu genießen. Gleich mehrere Stellen am Wannsee und der Havel laden im Sommer zu erfrischenden Pausen ein. Also den Bikini und die Badehose nicht vergessen mitzunehmen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt. Fotos:von oben nach unten: Der Wannsee, Haus der Wannseekonferenz, Der Flensburger Löwe, Glienicker Brücke, Schloß Cecilienhof, Siedlung Alexandrowka, Das Nauener Tor.

 

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