Von Staaken nach Henningsdorf

Dieser Abschnitt des Berliner Mauerradweges ist nicht nur historisch interessant, auch Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten, denn auf dem Weg Richtung Norden schlängelt sich der Weg durch Feld und Flur und den Spandauer Forst.

Wir beginnen den ca. 20 Kilometer langen Abschnitt am Bahnhof Staaken und biegen auf den Finkenkruger Weg ein. Die Straßenmitte war einst die Grenze, die Mauer stand auf der westlichen Seite. Nördlich des Torwegs steht eine Infotafel zum Berliner Mauerweg. Sie berichtet von der Franziskuskirche, die hier im Grenzstreifen stand und erst Ende 1987 auf Anordnung der DDR-Regierung abgerissen wurde.

Am Ende des Finkenkruger Wegs, Ecke Straße 347 stehen ein Gedenkkreuz für Willi Block und seit 2011 eine zusätzliche Informationsstele mit seiner Lebensgeschichte. Beim Durchkriechen des Zaunes wurde er von Grenzsoldaten erschossen. Der Berliner Mauerweg verläuft hier rechts weiter, wer sich für die deutsche Geschichte interessiert, biegt einen Kilometer nach links ab und kommt in den „Erinnerungspark“ am Staakener Heuweg in Falkensee. Hier war 1943 ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen für zirka 2000 Häftlinge.

Zurück auf dem Finkenkruger Weg folgen wir weiter dem Schild „Mauerweg“. An der Falkenseer Chaussee liegt ein wenig versteckt ein Findling, der die deutsche Teilung dokumentieren soll. Ein paar Meter weiter hinter der Calvinstraße steht eine von Ingo Wellmann geschaffene Holzskulptur, die an die Flucht junger Männer über die Mauer erinnert.

Nun ist die Stadtgrenze erreicht. An der Martin-Luther-Straße liegt auf der linken Seite des Weges die Siedlung Falkenhöh. Kurz darauf bestimmen saftige Wiesen und schattige Bäume das Bild. Über weite Strecken verläuft die Etappe anschließend quer durch den Berliner Forst. Der Weg durch den Wald ist allerdings asphaltiert und gut befahrbar. Knapp vier Kilometer nach den Holzskulpturen muss man sich entscheiden: Geradeaus weiter auf dem offiziellen Mauerweg, oder lieber Abbiegen in Richtung Eiskeller? Dieser Umweg empfiehlt sich, denn nicht nur folgt der Weg dem tatsächlichen Grenzverlauf, es wartet auch die einstige Exklave Eiskeller, die mit dem Rest Berlins nur durch eine vier Meter breite, 800 Meter lange Zufahrt verbunden war. Die Exklave erhielt ihren Namen aufgrund der durchweg niedrigen Temperaturen, die das Gebiet zu einer bevorzugten Lagerstätte für Eis aus dem Falkenhagener See gemacht haben sollen. Im Winter werden hier die tiefsten Berliner Temperaturen gemessen, im Sommer kann es schon mal richtig heiß werden.

An der Schönwalder Allee geht es ein paar Meter rechts die Straße entlang, dann links in den Wald hinein zum Laßzinssee, an dem zwei Türme zur Vogelbeobachtung einladen. Mehr als vier Kilometer gibt es danach bloß Wald im Naturschutzgebiet Rohrpfuhl , bevor man an der „Fichtewiese“ den Erlengrund an der Havel erreicht. Hier befindet sich eine beliebte Badestelle an der Havel und das Restaurant „Bürgerablage“ mit einem schönen Biergarten. Immer an der Havel entlang steht nach zirka drei Kilometern der Grenzturm Nieder Neuendorf. Am 13. August 1961 wurde auch hier die Grenze zwischen Berlin und Nieder Neuendorf militärisch abgeriegelt. Am westlichen Ufer der Havel entstanden im Laufe der Zeit immer weiter perfektionierte Grenzsicherungsanlagen. 1987 entstand an der Stelle, wo früher der Nieder-Neuendorfer Kanal in die Havel mündete, dieser Grenzwachturm zur Überwachung dieses Grenzabschnittes. Dieser Turm gehört zu den wenigen Grenztürmen, die heute noch zu sehen und zu besichtigen sind. Er steht seit 1999 wegen seiner herausragenden Bedeutung als Geschichtszeugnis unter Denkmalschutz. Der neun Meter hohe Turm beherbergt als Museum die „Geschichte der Grenzanlangen zwischen den beiden deutschen Staaten“.

Die Uferpromenade führt weiter gen Norden bis zur Brücke über den Havelkanal. Hier befand sich von 1949 bis 1990 die Grenzübergangsstelle Hennigsdorf zwischen Nieder Neuendorfer See, der Havel und dem 1953 für den Verkehr frei gegebenen Havelkanal. Hier durften Binnenschiffe zum Gütertransport von und nach Polen passieren oder in das Gebiet der DDR einfahren. Transitverkehr in die Bundesrepublik war nicht möglich; für Sportboote war die Durchfahrt verboten. Anschließend führt der Weg am Zaun von Bombardier entlang. Auf dem Gelände stehen unzählige Züge für Bahnen in aller Welt. Technikbegeisterte werden staunen und mit Begeisterung in die Hafenstraße einbiegen, denn nach wenigen Metern ist der S-Bahnhof Henningsdorf erreicht und das Ende der Etappe. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Nach oben