Vom Griebnitzsee nach Staaken

Wir beginnen die 3. Etappe des Mauerweges am S-Bahnhof Griebnitzsee . Ein paar Stufen hinunter stehen wir direkt am See. Leider lässt sich die Uferpromenade nicht durchgängig befahren, da einige Privatgrundstücke abgezäunt direkt bis an das Wasser reichen. Zur DDR-Zeiten war der Uferbereich gänzlich abgesperrt, weil der Grenzverlauf in der Mitte des Sees lag.

Auf dem Teilstück bis zum Schloßpark Babelsberg stehen viele Villen von historischer Bedeutung und prominenten Künstlern und Schauspielern. In der Karls-Marx-Straße 2, der sogenannten „Truman-Villa“ residierte einst der amerikanische Präsident Harry S. Truman. Hier gab er den Befehl für den Atombombenabwurf auf Hiroschima und Nagasaki im August 1945. 500 Meter weiter (Virchowstr. 23) war die Residenz des britischen Premierministers Winston Churchill. Der sowjetische General Stalin ließ sich in der Villa Herpich in der Karl-Marx-Straße 27 nieder. Alle drei wohnten am Ufer des Griebnitzsees während der Zeit der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 im Schloß Cecilienhof.

Vor der Parkbrücke, die nach Klein-Glienicke führt, lohnt ein Abstecher in den Park Babelsberg mit Schloß Babelsberg. Klein-Glienicke war DDR-Exklave und von der Mauer umschlossen. Der kleine Ort war nur über die Brücke erreichbar, die von Grenzkontrollposten bewacht war. Im Juli 1973 gelang zwei Familien durch einen 19 Meter langen, gegrabenen Tunnel vom Keller ihres Hauses die Flucht nach West-Berlin.

Über die Waldmüllerstraße und Möwenstraße fahren wir zur Königsstraße. Vorher besteht die Möglichkeit zum Jagdschloß Glienicke zu kommen. Es wurde 1682–93 von Charles Philippe Dieussart für den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg errichtet. Nach 1919 setzte ein Verfall der Schlossanlage ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Jugendherberge. Außerdem diente es als Kulisse für Nachkriegsfilme. 1963/64 baute Max Taut das Jagdschloss von zu einer Jugendbegegnungsstätte um, die bis 2003 genutzt wurde. Seit 2003 nutzt das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg das Jagdschloss Glienicke. Der denkmalgerechte Wiederaufbau begann im November 2005 und zog sich bis Oktober 2012 hin. Der größte Teil des Geländes um das Jagdschloss ist als öffentlicher Park jederzeit für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten den Mauerradweg weiter zu nutzen. Entweder vor der Glienicker Brücke rechts ab an der Havel entlang zum Wannsee und dann mit der Fähre übersetzen nach Kladow, oder über die Brücke nach Potsdam. Wir entscheiden uns für den weiteren Weg und biegen hinter der “Agentenbrücke “ rechts ein. Als „Grenzübergangsstelle Potsdam“ durfte die Glienicker Brücke nach dem Mauerbau nur von Mitarbeitern der West-Alliierten, Privatpersonen mit Sondererlaubnis und später auch von in der DDR akkreditierten Diplomaten genutzt werden. Den Nimbus der „Agentenbrücke“ hat die Brücke 1962 durch den Austausch des KGB-Agenten Rudolf Abel gegen den amerikanischen Pilot Francis Powers erhalten, der während eines Spionageflugs über der Sowjetunion abgeschossen worden war.

Nach zwei Kilometern erleben wir wieder Geschichte. Schloss Cecilienhof liegt im Neuen Garten am Jungfernsee. Kaiser Wilhelm II ließ hier für seinen Sohn, Kronprinz Wilhelm und dessen Gemahlin Cecilie dieses wunderschöne Schloss erbauen. Es entstand ein Gebäude im englischen Landhausstil. Berühmt wurde das Schloss aber durch die vier Besatzungsmächte, die hier nach dem 2. Weltkrieg die Spaltung Deutschlands vereinbarten. Vorbei am Pfingstberg mit dem Schloss Belvedere überqueren wir die B2 und erreichen das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau, den BUGA-Park, den wir auf einer anderen Tour besuchen werden. Ein wenig trostlos wird dann die weitere Strecke an der B2 und den ehemaligen Kasernengelände entlang bis Neu-Farland.

Wenn wir in Krampnitz rechts in die Rotkehlchenstraße aus der später die Krampnitzer Straße wird, einbiegen, beginnt wieder ein ruhiger Abschnitt inmitten der Natur. Wir folgen der Beschilderung „Römerschanze“ und Heilandskirche und stehen wenige Kilometer weiter am Ufer des Jungfernsees vor der romanisch-romantischen Sacrower Heilandskirche. Da sie am streng bewachten Grenzstreifen lag, war sie zu Mauerzeiten nicht erreichbar und drohte zusehens zu verfallen. Am 24. Dezember 1989 feierte die Gemeinde mit vielen Gästen den ersten Gottesdienst nach dem Fall der Mauer. Die Rekonstruktion des Kirchen-Innenraums erfolgte von 1993 bis 1995. Auch die durch die Grenzbefestigung zerstörten Gartenanlagen von Peter Joseph Lenné konnten wiederhergestellt werden.

Hinter Sacrow geht es auf dem Kolonnenweg wieder Richtung Berlin. An der Sakrower Landstraße biegen wir links ab und folgen weiter dem Mauerweg Richtung Groß Glienicke. Jetzt sind es noch 18 Kilometer bis Staaken, dem Ende der 3. Etappe. Vorbei am Groß Glienicker See überqueren wir die Ritterfeldstraße und radeln an der Potsdamer Chaussee entlang durch die Glienicker Heide. In Höhe Daberkowstraße nehmen wir wieder den Grenzweg bis zum Fort Hahneberg. Vorbei am ehemaligen Kontrollposten überqueren wir die Heerstraße und stehen wenige Meter weiter an der Dorfkirche Alt-Staaken. Die 700 Jahre alte Kirche hat besonders in der NS-Zeit Geschichte geschrieben, weil hier kritische Predigten gehalten und auch Juden getauft und getraut wurden. Am Bahnhof Staaken beenden wir nach zirka 34 Kilometer die 3. Etappe auf dem Mauerradweg. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von oben nach unten: Schloss Babelsberg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Cicilienhof, Sacrower Heilandskirche, Im Hahnenberg, Dorfkirche Alt-Staaken.

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